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Renaissance-Skulptur

Die Fürstengräber der Tübinger Stiftskirche

Die Fürstengräber der Tübinger Stiftskirche

Hinter dem Lettner der Stiftskirche St. Georg in Tübingen bewahrt der Chor eine stille Versammlung: etwa fünfzehn Grabmäler der Herzöge von Württemberg und der Ihren. Seit 1550 ist dieser Ort, der der Hörsaal der jungen Universität war, zur Grablege des regierenden Hauses geworden. Man liest darin, in Stein und Alabaster, anderthalb Jahrhunderte schwäbischer Grabskulptur.

Was man sehen sollte

Treten Sie in den Chor: Die Grabmäler stehen dicht, aufrecht oder liegend, jedes mit einem Bildnis. Erkennen Sie die ältesten, die Liegenden nach mittelalterlicher Art, wie das Eberhards im Bart, des Gründers der Universität. Dann die jüngeren, in denen der Verstorbene nicht mehr liegt, sondern betend kniet, die Hände gefaltet: so bei Herzog Ludwig und seiner ersten Gemahlin Dorothea Ursula, deren beide Denkmäler einander antworten.

Treten Sie an die Einzelheiten heran: die gemalten Wappen, die historienreichen Medaillons, die Standfiguren, die die Bildnisse begleiten. Jedes Grabmal erzählt von einem Rang, einem Bündnis, einem Leben. Der helle Alabaster hebt sich vom Sandstein ab; das Licht des gotischen Chores badet sie in gleichmäßiger Klarheit.

Geschichte

1534 setzt Herzog Ulrich die Reformation in Württemberg durch. Sechzehn Jahre später, 1550, bestimmt er den Chor der Tübinger Stiftskirche — bis dahin Hörsaal der 1477 gegründeten Universität — zur Grablege seiner Dynastie. Von da an nimmt mit jedem Fürstentod ein neues Grabmal seinen Platz ein.

Die größten Bildhauer Schwabens arbeiten dort. Leonhard Baumhauer aus Schwäbisch Gmünd haut die Tumba Herzog Christophs. Christoph Jelin, in Tübingen ansässig, schafft um 1593 die Denkmäler Herzog Ludwigs und Dorothea Ursulas sowie weitere Bildnisse. So bildet sich das Ensemble über die Generationen, Werke der Spätgotik mit vollständig der Renaissance zugehörigen mischend, bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Symbole und Geheimnisse

Die Wahl des Ortes sagt alles. Indem er seine Toten mitten in die Universität stellt, bindet der Herzog sein Haus an das Wissen und den neuen Glauben. Die Skulptur folgt: Man geht vom Liegenden, dem mittelalterlichen Bild des auf die Auferstehung wartenden schlafenden Fürsten, zur knienden, demütigeren, betenden Gestalt über — genau der Geist der protestantischen Frömmigkeit, die den Gläubigen, und sei er Herzog, allein vor Gott auf die Knie zwingt. Das Grabmal Ludwigs und das seiner Frau, als symmetrisches Paar gedacht, zeigen, dass selbst der Tod die dynastische Ordnung zu wahren hatte.

Warum dieses Ensemble zählt

Weil es, in einem einzigen Chor vereint, ein beinahe vollständiges Panorama der Grabskulptur der Renaissance in Süddeutschland bietet. Selten sind Orte, an denen man den Wandel des Geschmacks über mehr als ein Jahrhundert mit einem Blick verfolgen und verstehen kann, wie eine protestantische Dynastie sich weiter durch das Bild erinnerte. Die Tübinger Grablege ist das steinerne Gedächtnis der Herzöge von Württemberg.

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