Sem Schlör — Commande de 1574, exécution à partir de 1576, Stiftskirche (collégiale), chœur, Stuttgart
Kontext
1574 beauftragte Herzog Ludwig von Württemberg den Bildhauer Sem Schlör mit einer Reihe von Standbildern für den Chor der Stuttgarter Stiftskirche, der Grablege des regierenden Hauses. Die Arbeiten begannen 1576. Die elf Figuren ersetzen die alten Epitaphien der in der Kirche bestatteten Grafen von Württemberg und bilden eine regelrechte Ahnengalerie. Das Unternehmen fügt sich in die Gedächtnispolitik der protestantischen Reichsfürsten ein, die ihre Dynastie durch die fortlaufende Darstellung ihrer Vorfahren legitimieren wollten. Sem Schlör, am württembergischen Hof tätig, lieferte hier eines seiner Hauptwerke, neben den Credo-Tafeln, die er für die Schlosskapelle schuf. Das Ensemble verwandelt den gotischen Chor in einen dynastischen Gedächtnisraum, in dem die fürstliche Genealogie monumental lesbar wird.
Bedeutung
Die Galerie veranschaulicht die ununterbrochene Kontinuität des Hauses Württemberg, von den ersten Grafen bis zu den Herzögen der Renaissance. Indem Herzog Ludwig an die Stelle der Grabplatten stehende Standbilder setzte, bekräftigte er die fürstliche Würde seines Geschlechts und schrieb die dynastische Legitimität in Stein, in Lebensgröße.
Bemerkenswerte Elemente
Jeder Graf ist in Lebensgröße stehend dargestellt, in der historisch seiner Zeit angepassten Rüstung, einen Fuß auf einem Löwen als Sinnbild des Heldenmuts. Die Sandsteinfiguren waren ursprünglich farbig gefasst, Waffen und Insignien aus aufgesetztem Metall gefertigt. Entlang der Chorwand aufgereiht, bilden sie einen vertikalen Fries fürstlicher Gestalten.
Symbolik
Der Löwe zu Füßen jedes Grafen verweist auf das württembergische Wappen und auf kriegerische Tapferkeit. Die je nach Regierungszeit variierte Rüstung verortet jede Figur in ihrer Epoche und betont zugleich die Dauer des Herrscheramtes.
Geheimnisse und Rätsel
Wie viele Ahnengalerien der Renaissance verbindet das Ensemble historisch gesicherte Personen mit einer teils rekonstruierten Abstammung: Die Treue der Rüstungen und Züge ist ebenso gelehrte Rekonstruktion wie wirkliches Bildnis, da die ältesten Grafen kein verlässliches Abbild hinterlassen hatten.
Im Spiegel der Gefühle
Die Reihe der Grafen abzuschreiten heißt, die Zeit einer Dynastie zurückzuverfolgen: Die feierliche Aufstellung gebietet Respekt und einen fast einschüchternden Eindruck von Dauer. Die Starre der Haltungen, gemildert durch den Detailreichtum der Rüstungen, weckt ein Gefühl kommemorativer Ernsthaftigkeit.
Worte des Führers
Betrachten Sie die Reihe der elf Grafen entlang der Chorwand: Jeder steht aufrecht, den Fuß auf einem Löwen. Beachten Sie, wie sich die Rüstung von Figur zu Figur wandelt, je nach der vermuteten Epoche des Ahnen. Stellen Sie sich diese Standbilder einst farbig gefasst vor, ihre Waffen in Metall glänzend. Sie lesen hier, in Stein, die vollständige Genealogie des Hauses Württemberg, so wie Herzog Ludwig sie vor Augen stellen wollte.
Anekdote
Der Bildhauer Sem Schlör, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Laudenbach geboren und um 1597-1598 in Schwäbisch Hall gestorben, verdankt seinen Ruhm vor allem diesem Auftrag und den für die württembergischen Herzöge geschaffenen Credo-Tafeln.

