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Renaissance-Skulptur

Das Skulpturenprogramm des Ottheinrichsbaus

Das Skulpturenprogramm des Ottheinrichsbaus

Im Hof des Heidelberger Schlosses erhebt sich die Fassade des Ottheinrichsbaus, von oben bis unten mit Standbildern aus rotem Sandstein bedeckt. In kaum drei Jahren, von 1556 bis 1559, für Kurfürst Ottheinrich errichtet, reiht sie antike Helden, Tugenden und Planetengötter zu einer wahren Rede in Stein. Es ist eines der ersten Manifeste der Renaissance auf deutschem Boden — und es hat den Untergang des Schlosses überlebt.

Was man sehen sollte

Treten Sie im Hof zurück und lesen Sie die Fassade wie eine Seite, von unten nach oben. Im Erdgeschoss vier Helden der Stärke: Josua, Simson, Herkules, David, muskulös, jeder von eingehauenen Versen begleitet; zwischen ihnen Büsten römischer Kaiser in Medaillons. Im Obergeschoss weibliche Gestalten: die Tugenden — Stärke, Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit. Ganz oben, in der Zone des Dachgeschosses, die Götter der sieben Planeten: Saturn, Mars, Venus, Merkur, Mond, Sonne, Jupiter.

Treten Sie an das Portal heran: Es ist überreich geschmückt, Säulen, Ranken, Figuren. Beachten Sie die Farbe: den Neckartäler Sandstein, von warmem Rot, der in der Abendsonne entflammt und dem Schloss seinen unverwechselbaren Ton gibt.

Geschichte

Ottheinrich herrschte nur drei Jahre über die Pfalz, doch er wollte ein Zeichen hinterlassen. Humanistischer Fürst, Bücherfreund, erster pfälzischer Kurfürst, der die Reformation annahm, lässt er einen ganz neuen, modernen Wohnbau in italienischer Art errichten. Der skulpturale Schmuck wird im Wesentlichen dem Niederländer Alexander Colin aus Mechelen übertragen, der ab 1558 die großen Figuren und die Türrahmungen übernimmt — doch der genaue Anteil seiner Werkstatt an dieser gewaltigen Arbeit bleibt unter Historikern umstritten.

Der Kurfürst stirbt 1559, im Jahr der Vollendung. Anderthalb Jahrhunderte später, 1693, verwüsten die Truppen Ludwigs XIV. Heidelberg: Das Innere des Ottheinrichsbaus brennt und stürzt ein. Es bleibt nur die Fassade, aufgerichtet wie eine Theaterkulisse vor der Leere.

Symbole und Geheimnisse

Warum biblische Helden, heidnische Götter und christliche Tugenden vereinen? Weil die Fassade ein verkleidetes Bildnis des Fürsten ist. Ottheinrich versteht sich als Erbe der Starken des Alten Testaments, der Weisen der Antike und der Tugenden des Glaubens. Über seiner Tür zeigt er das Programm seiner Herrschaft: ein Herrscher, der durch Kraft, Tugend und das Wissen von den Gestirnen regiert. Schrift und Mythologie derart zu mischen war eine ganz neue Kühnheit, eigen jener gelehrten Renaissance, die Athen, Rom und Jerusalem zu versöhnen glaubte.

Warum dieses Werk zählt

Weil es die italienische Idee der Programmfassade nach Deutschland bringt, in der die Skulptur nicht mehr Zierat, sondern Denken ist. Nach ihr werden auch die deutschen Fürsten die Sprache der Alten sprechen wollen. Und weil die Fassade, selbst ihres Schlosses beraubt, aufrecht steht: Sie ist zum Sinnbild Heidelbergs geworden, zum Bild einer Renaissanceherrlichkeit, die der Krieg nicht ganz auszulöschen vermochte.

Siehe auch