Michel Erhart et son atelier (école d'Ulm) ; participation de Gregor Erhart discutée selon les études — 1493–1494, Église de l'ancien monastère (Klosterkirche), Blaubeuren
Kontext
Der Altar erhebt sich im Chor der Kirche der ehemaligen Benediktinerabtei Blaubeuren, die in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts neu errichtet wurde. Aufgestellt 1493-1494, ist er weder signiert noch urkundlich belegt, sodass die Kunstgeschichte seine Entstehung allein aus dem Stil erschließen musste. Die Ausführung wird heute überwiegend dem Ulmer Bildschnitzer Michel Erhart zugeschrieben; der Anteil seines damals noch jungen Sohnes Gregor bleibt umstritten. Der Gesamtentwurf könnte der Schreinerwerkstatt Jörg Syrlins des Jüngeren zu verdanken sein, die Flügelgemälde mehreren Meistern der Ulmer Schule, darunter Bartholomäus Zeitblom und Bernhard Strigel. Der Altar ist somit ein kollektives Werkstattwerk, typisch für die schwäbische Produktion des Spätmittelalters, und nicht das Werk einer einzigen Hand. Nach Datierung und Formensprache gehört er der Spätgotik an, zeitgleich mit den Anfängen der italienischen Renaissance.
Bedeutung
Der Altar besiegelt die geistliche Identität einer reformierten Abtei: Er bekräftigt die Marienverehrung und den Kult der Ortsheiligen in dem Moment, in dem sich die benediktinische Observanz neu ordnet. Das Programm, das sich durch das Öffnen und Schließen der Flügel entfaltet, inszeniert eine liturgische Lesart des Jahreslaufs, von Advent und Weihnachten bis zu den Hochfesten. Kunstgeschichtlich verkörpert das Werk den Höhepunkt der Ulmer Bildschnitzkunst, die mit den Werkstätten Nürnbergs und Würzburgs wetteiferte.
Bemerkenswerte Elemente
Im Zentrum des Schreins steht die Muttergottes mit dem Kind auf der Mondsichel, umgeben von Heiligen. Die gemalten Flügel zeigen die Geburt Christi und die Anbetung der Könige; die Predella trägt Halbfiguren Christi und der Apostel. Im durchbrochenen Gesprenge rahmen Figuren die Kreuzigungsszene. Das Holz ist mit höchster Virtuosität in den gebrochenen Faltenwürfen und im Haarwerk geschnitten und anschließend mit Fassung und Gold überzogen.
Symbolik
Die Madonna auf der Mondsichel verweist auf die apokalyptische Frau und auf die Unbefleckte Empfängnis. Die Vertikale des Gesprenges, die den Blick zur Kreuzigung führt, versinnbildlicht den Aufstieg des Heils, während die Apostel der Predella das ganze Bauwerk auf die Kirche gründen.
Geheimnisse und Rätsel
Das Fehlen von Signatur und Vertrag hat die Unsicherheit über den Urheber lange genährt: Die Zuschreibung an Michel statt an Gregor Erhart und die Rolle der Syrlin-Werkstatt bleiben umstritten. Die genaue Verteilung der Hände zwischen Schnitzwerk und Malerei ist nicht geklärt.
Im Spiegel der Gefühle
Die Sanftheit der marianischen Gesichter kontrastiert mit dem Ernst des Gesprenges: Der Gläubige wechselte von mütterlicher Nähe zur Betrachtung der Passion. Der monumentale Maßstab und das Leuchten des Goldes dürften eine Empfindung aus Vertrautheit und heiliger Ehrfurcht geweckt haben.
Worte des Führers
Betrachten Sie zunächst die zentrale Figur: Die Muttergottes steht auf der Mondsichel, in einem goldenen Schrein. Folgen Sie dann dem aufsteigenden Blick zum durchbrochenen Gesprenge, in dem die Kreuzigung das Ganze krönt. Achten Sie auf die Feinheit der gebrochenen Falten, das Kennzeichen der Ulmer Werkstatt Michel Erharts. Beachten Sie schließlich die Halbfiguren Christi und der Apostel an der Predella, die das ganze Werk tragen wie das Fundament der Kirche.
Anekdote
Der Altar hat die Reformation überdauert: Blaubeuren wurde 1534 protestantisch, und dennoch blieb das Schnitzwerk an seinem Ort erhalten und entging den bilderstürmerischen Zerstörungen, die so viele schwäbische Altäre trafen.

