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Renaissance-Skulptur

Madonna mit dem Kind (Veit Stoß)

Madonna mit dem Kind (Veit Stoß)

Diese Madonna mit Kind aus Lindenholz, fast eineinhalb Meter hoch, zählt zu den ersten Werken, die Veit Stoß nach seiner Rückkehr aus Krakau 1496 in Nürnberg schuf. Sie veranschaulicht die Marienbildproduktion seiner Werkstatt um die Jahrhundertwende und wird im Germanischen Nationalmuseum bewahrt (Inv. Pl.O.217).

Was man sehen sollte

Maria steht, umhüllt von einem weiten Mantel, dessen Bahnen sie mit der linken Hand rafft, während sie mit der rechten das Kind an der Hüfte hält. Ihr Kopf neigt sich sanft nach rechts, lange Haarwellen fallen über die Schultern; sie trägt eine hohe Blätterkrone. Das Kind hält in der Rechten eine Birne und greift mit der Linken nach seinem Füßchen, ein häufiges Motiv kindlicher Vertrautheit in der Marienplastik. Die ganze Kunst des Stoß liegt im Faltenwurf: tiefe, gebrochene Falten, die Schatten aushöhlen und dem Holz eine fast flüssige Bewegung geben. Die zur Frontalansicht angelegte, doch im Volumen durchgearbeitete Figur diente der privaten Andacht oder schmückte einen Altarschrein.

Geschichte

Man rechnet diese Madonna den frühen Nürnberger Arbeiten des Meisters zu; sie soll aus dem Schrein des Marienaltars der Augustinerkirche stammen. Im 19. Jahrhundert stand sie an der Fassade eines Hauses in der Wunderburggasse zu Nürnberg, ehe sie in die Sammlungen des Museums gelangte — ein Weg, der die Gefährdung religiöser Skulpturen nach der Reformation zeigt, oft versetzt, wiederverwendet oder verkauft. Als Andachtsbild mehr denn als Prunkstück zeigt sie, wie Veit Stoß nach langer polnischer Laufbahn an den Nürnberger Auftrag anknüpfte und einen Madonnentypus mit kraftvollem Faltenwurf prägte, der die fränkische Skulptur nachhaltig bestimmte.

Symbole und Geheimnisse

Die vom Kind gehaltene Birne deutet nach der Marientradition auf Milde und die Frucht des Heils, die der verbotenen Frucht Evas folgt; die hohe Blätterkrone macht Maria zur Himmelskönigin. Das nach seinem eigenen Fuß greifende Kind spricht von der wahren Menschheit des Fleisch gewordenen Wortes. Die Wanderung der Figur verblüfft: Im 19. Jahrhundert schmückte sie eine Hausfassade in der Wunderburggasse, ehe sie ins Museum kam, und soll vom Marienaltar der Augustiner stammen. Diese Versetzungen zeugen von der Gefährdung religiöser Bilder nach der Reformation. Die sanfte Kopfneigung und der tiefe Faltenwurf schaffen eine ernste Zärtlichkeit, in der die Rührung aus dem Stoff selbst entspringt.

Warum dieses Werk zählt

Die Madonna zeigt, wie Stoß nach langer polnischer Laufbahn einen Madonnentypus mit kraftvollem Faltenwurf prägte, der die fränkische Skulptur nachhaltig bestimmte. Als Andachtsbild mehr denn als Prunkstück ergänzt sie im Museum das große, dem Meister und seiner Werkstatt gewidmete Ensemble und bezeugt das Fortleben des Marienbildes im Nürnberg der Jahrhundertwende.

Siehe auch