Lucas Cranach der Ältere — 1529
Herzogliches Museum (Stiftung Schloss Friedenstein), Gotha. Öl auf Holz, 82,2 × 118 cm.
Kunstgeschichte
1529 gemalt, ist diese Tafel das einflussreichste Bild der lutherischen Reformation. Cranach, Freund Luthers, übersetzt die Rechtfertigung allein durch den Glauben in eine einzige Komposition. Ein mittlerer Baum teilt das Bild: links, tot, das Reich des Gesetzes (Sündenfall, eherne Schlange, Mose, zur Hölle getriebener Sünder); rechts, grünend, das Reich der Gnade (Johannes der Täufer weist auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus, das siegreiche Lamm). Die Fassung begründet den „Gothaer Typus".
Symbolik
Der Baum ist die Achse des Heils. Das Gesetz zeigt die Sünde, ohne zu retten; die Gnade rechtfertigt den Menschen allein durch den Glauben. Bibelverse begleiten jede Szene.
Geheimnisse
Zwei Familien: „Gothaer Typus" (der Sünder erscheint einmal) und „Prager Typus" (er erscheint zweimal). Die Inschriften wechseln je nach Replik.
Emotionen
Schroffer Gegensatz zwischen Schrecken links und Beruhigung rechts; ein theologischer Beweis als innere Erfahrung.
Für den Museumsführer
Der tote/lebendige Baum in der Mitte; links das Gesetz von unten nach oben; rechts Johannes der Täufer, der auf Christus weist. Das ganze Herz der Reformation in einem Bild.
Anekdote
Cranach und seine Werkstatt schufen zahlreiche Fassungen; das Schema ging in Stiche und Buchtitel über.

