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Renaissance-Malerei

Das Epitaph für Johannes Bugenhagen

Das Epitaph für Johannes Bugenhagen

An einer Chorwand der Wittenberger Stadtkirche ehrt ein 1560 gemaltes Bild Lucas Cranachs des Jüngeren das Andenken an Johannes Bugenhagen, Pfarrer der Stadt und Luthers rechte Hand. Der Maler hat keinen fürbittenden Heiligen dargestellt, sondern die Taufe Christi — eine Anspielung auf den Namen des Verstorbenen — gerahmt von seiner betenden Familie. Das ist die ganze Kunst des protestantischen Epitaphs in einem Bild.

Was man sehen sollte

In der Mitte die Taufe Christi im Jordan: Johannes der Täufer gießt das Wasser über das Haupt Christi, während darüber die Taube des Heiligen Geistes schwebt, durch ein Spruchband mit der Halbfigur Gottvaters verbunden, von dem das Wort herabkommt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."

Zu beiden Seiten kniet die Familie Bugenhagen: links der Verstorbene und seine Söhne, rechts seine Frau Walburga und seine Töchter. Alle blicken auf die heilige Szene, nicht auf den Besucher. Das heute an der Südwand des Chores hängende Bild war einst in einen architektonischen Rahmen in Ädikulaform gefasst, bekrönt vom Wappen Bugenhagens — einer goldenen Harfe — und ergänzt durch eine lateinische Inschrift.

Geschichte

Johannes Bugenhagen (1485-1558), „Doctor Pomeranus" genannt nach seinem pommerschen Herkunftsland, war einer der engsten Gefährten Luthers. Als Pfarrer von Wittenberg traute er Luther mit Katharina von Bora, taufte ihre Kinder und war der Beichtvater des Reformators. Als unermüdlicher Organisator gab er den Städten Norddeutschlands und bis ins Königreich Dänemark Kirchenordnungen. Bei seinem Tod 1558 wollte die Gemeinde ihn ehren: Die Cranach-Werkstatt lieferte diese Tafel zwei Jahre später.

Symbole und Geheimnisse

Die Wahl des Themas ist kein Zufall. Indem Cranach die Taufe malt, spielt er auf den Namen des Verstorbenen, Johannes, an und stellt ihn unter den Schutz Johannes' des Täufers. Doch der Sinn reicht weiter: Für die Reformation ist die Taufe das grundlegende Sakrament, das Zeichen der ein für alle Mal empfangenen Gnade. Eine Taufe zum Epitaph eines Pfarrers zu machen, heißt zu sagen, dass sein Tod nur eine Rückkehr zu dem ist, was ihn zum Christen gemacht hatte. Die Familie, die die Szene betrachtet, weint nicht: Sie bekennt. Und der auf Christus und nicht auf uns gerichtete Blick des Verstorbenen bekräftigt, dass der Tote nun sieht, was er verkündet hatte.

Warum dieses Werk zählt

Weil es zeigt, wie die Reformation das Gedächtnis der Toten neu erfand. Keine Messen, keine Heiligen mehr: ein lehrendes Bild und eine Familie, die ihren Glauben bekennt. Vom jüngeren Cranach signiert, bezeugt es auch die Kontinuität einer Werkstatt, die zur Bildfabrik des sächsischen Protestantismus geworden war.

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