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Renaissance in Deutschland

Stadtmetzg

Augsburg

Stadtmetzg

Folgen Sie dem Metzger zu seinem Stand: Es sind hundertsechsundzwanzig, aufgereiht im unteren Geschoss der Halle, die Elias Holl aufs Wasser baute. Denn unter dem Bau läuft, offen, der Vordere-Lech-Kanal — und er ist der eigentliche Genius des Ortes. Sein frisches Wasser hält das Fleisch, trägt Blut und Schlachtabfälle fort, treibt die Stadt an. In den Obergeschossen Zünfte und Verwaltung; an der Fassade ein Bronzewappen von Hans Reichle. Die Stadtmetzg ist kein versteckter Zweckbau: Sie ist ein Stück jenes Wassersystems, das der Stadt heute den Welterbe-Rang einträgt.# StadtmetzgDie Stadtmetzg ist nicht nur eine schöne Fassade der Spätrenaissance: Sie ist eine Maschine. Unter ihren vier geschmückten Geschossen fließt ein Lechkanal offen dahin und bringt Wasser, Energie und Entsorgung. Elias Holl hat hier in einem einzigen Bau die Baukunst und das Wasserbaugenie Augsburgs vereint.

Was man sehen sollte

Betrachten Sie zuerst den Baukörper: vier Geschosse unter einem Giebeldach, in einem nüchternen und kraftvollen Stil der Spätrenaissance. Dann suchen Sie, was sich unter den Füßen verbirgt: den Kanal des Vorderen Lechs, bewusst offen unter die Halle geführt. Darin liegt das ganze Geheimnis des Baus. An der Fassade erkennt man das bronzene Stadtwappen, ein Werk Hans Reichles, gegossen von Wolfgang Neidhardt — dasselbe Gespann wie beim benachbarten Zeughaus. Im Inneren stelle man sich die einhundertsechsundzwanzig Verkaufsstände des unteren Geschosses vor und die den Zünften und der Verwaltung vorbehaltenen Etagen. 2016 wurde die Farbfassung des 17. Jahrhunderts wiederhergestellt und gab dem Bau einen Teil seiner ursprünglichen Farbe zurück.

Geschichte

Die Stadtmetzg wird von 1606 bis 1609 von Elias Holl, dem Stadtwerkmeister, errichtet, in denselben Jahren, in denen er das Zeughaus baut. Ihre Funktion ist sehr konkret: den Verkauf und die Schlachtung von Fleisch für die Stadt zu zentralisieren. Die Neuerung liegt in der Einbeziehung des Kanals: Indem Holl den Vorderen Lech unter das Gebäude führt, sichert er die Versorgung mit Wasser und Energie, aber auch die Entsorgung — die Metzger werfen ihre Abfälle direkt in die Strömung, deren Kühle zugleich der Haltbarkeit des Fleisches dient. Der Bau gehört zum Augsburger Wassermanagement-System, das am 6. Juli 2019 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Heute beherbergt er städtische Verwaltungsstellen.

Symbole und Geheimnisse

Die Stadtmetzg verkörpert den Geist einer Reichsstadt: Schönheit im Dienst des Gemeinwohls. Das bronzene Wappen an der Fassade erklärt, dass dieser Nutzbau zugleich ein Gemeingut ist, ein Monument der Stadt. Das wahre Geheimnis liegt unter dem Stein: das Wasser. Augsburg hat seinen Wohlstand auf einer alten und kunstvollen Beherrschung seiner Kanäle gegründet, und die städtische Metzg ist deren vollkommene Veranschaulichung — ein Bau, der Hygiene, Energie und Ästhetik zusammendenkt, lange bevor diese Anliegen geläufig wurden.

Warum dieser Ort zählt

Die Stadtmetzg ist eines der Bauwerke, die Augsburg die Welterbe-Auszeichnung für sein Wassersystem eingetragen haben. Sie zeigt, wie die Spätrenaissance durch das Genie Elias Holls einen rein funktionalen Bau adeln und zu einem Hauptstück des Stadtbildes machen konnte. Schönheit der Ordnung, Erfindungsgabe der Ingenieurkunst: Sie vereint die beiden Seiten des Augsburger Genies um 1600 und bleibt ein Vorbild öffentlicher Architektur, die in ihrer Gesamtheit gedacht ist.

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