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Renaissance in Deutschland

Das Augsburger Rathaus

Augsburg

Das Augsburger Rathaus

Am zentralen Platz Augsburgs ist das von Elias Holl 1615 bis 1620 errichtete Rathaus der ehrgeizigste profane Renaissancebau nördlich der Alpen. Eine hohe, symmetrische Fassade, von zwei Zwiebeltürmen bekrönt, verkündet den Stolz einer durch Bank und Handel reich gewordenen Freien Reichsstadt — der Stadt der Fugger.

Was man sehen sollte

Die Fassade von strengem, neuem Klassizismus bricht mit dem gotischen Giebel: drei Baukörper, strenge Symmetrie, der gemalte Reichsadler an der Giebelspitze und an der Front eine große kupferne Zirbelnuss, das Wahrzeichen der Stadt. Der Bau erhebt sich rund 57 Meter hoch: Bis 1917 war er das höchste Profangebäude Deutschlands. Das Herz des Monuments liegt im Inneren, im Goldenen Saal, einem etwa 552 m² großen und fast 14 Meter hohen Prunksaal mit vergoldeter Kassettendecke, Marmorportalen und Fresken von Johann Matthias Kager, die die Weisheit der guten Regierung preisen. Daneben setzen die Fürstenzimmer, vier Prunkräume von je rund 150 m², diesen Glanz fort.

Wenige Schritte entfernt steht der Perlachturm, der mittelalterliche Wachturm, den Holl um 1615-1618 mit achteckigem Glockengeschoss und Zwiebelhaube auf rund 70 Meter erhöhte; von ihm überblickt man die Stadt. Das Ensemble — Rathaus, Turm, die benachbarten Brunnen der Maximilianstraße — bildet eines der geschlossensten Renaissance-Stadtprogramme Deutschlands. Diese Prachtbrunnen sind selbst Meisterwerke: der Augustusbrunnen, 1589-1594 von Hubert Gerhard zur 1600-Jahr-Feier der Stadt gegossen und von den Göttern ihrer vier Flüsse umstanden, sowie der Merkurbrunnen (1596-1599) und der Herkulesbrunnen (1597-1602) des niederländischen Bildhauers Adriaen de Vries, deren Originale heute im Maximilianmuseum bewahrt werden.

Geschichte

Augsburg, Freie Reichsstadt, ist im 16. Jahrhundert dank der Fugger und Welser eine der reichsten Städte Europas, die die Habsburger finanzieren — Jakob Fugger streckte den Großteil der Summen vor, die 1519 Karl V. zum Kaiser wählen ließen. In dieser Stadt wird 1530 das Augsburger Bekenntnis vorgelegt und 1555 der Religionsfriede geschlossen. Um sich einen ihrem Rang entsprechenden Sitz zu geben, ersetzt die Stadt die mittelalterlichen Gemeindehallen und überträgt den Bau Elias Holl (1573-1646), ihrem Stadtwerkmeister seit 1602, geprägt von einer Italienreise und schon Erbauer des Zeughauses. Die Grundsteinlegung erfolgt am 25. August 1615. Holl errichtet ein Manifest: kein gotisches Gemeindehaus mehr, sondern einen antikischen Bürgerpalast, zu Kosten von rund 100 000 Gulden. Der Bau übersteht die Jahrhunderte bis zur Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944, als die Bombardierung das Innere in Asche legt. Die Turmkuppeln werden schon 1951 wieder aufgesetzt, die Fassade bald darauf rekonstruiert; der geduldig wiederhergestellte Goldene Saal wird zwischen 1985 — dem Jahr der 2000-Jahr-Feier der Stadt — und 1996 in neuer Pracht wiedereröffnet, eine Sorgfalt, die die Stadt als Akt der Erinnerung versteht.

Symbole und Geheimnisse

Das Bildprogramm des Goldenen Saals ist nicht dekorativ: Tugenden, Allegorien und antike Szenen bilden einen Spiegel des Magistrats und erinnern die Ratsherren, dass Regieren eine sittliche Kunst ist. Die vergoldete Zirbelnuss, ein altes römisches Zeichen, das die Stadt übernahm, knüpft Augsburg an die Antike, ebenso wie die Göttin Cisa, die den Perlachturm krönt. Und die Wahl eines so römischen Baus, an der Schwelle des Dreißigjährigen Krieges, bezeugt die Selbstsicherheit einer Freien Stadt, die sich für ewig hielt. Jede Einzelheit, vom Giebel bis zum Brunnen, spricht dieselbe Sprache: die einer Bürgerschaft, die ihren Reichtum in dauerhafte Form gießen wollte.

Warum dieses Monument zählt

Weil es die bürgerliche Renaissance Deutschlands auf ihren Höhepunkt führt: Nach den Kapellen und Schlössern gibt sich die Stadt selbst einen antikischen Palast. Elias Holl erfindet darin das Bild der modernen städtischen Macht, das seine übrigen Augsburger Bauten — Zeughaus, Stadtmetzg, Wassertürme — für ein Jahrhundert durchspielen und das weit über Schwaben hinaus Schule macht. In keiner anderen deutschen Stadt trat das Bürgertum der Renaissance mit solchem Selbstbewusstsein auf: Das Rathaus ist weniger ein Verwaltungsbau als ein steinernes Bekenntnis zur eigenen Größe.

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