Rund 70 Meter hoch, überragt der Perlachturm die Altstadt Augsburgs neben dem Rathaus. Von sehr altem Ursprung — ein 989 erwähnter Wachtturm —, verdankt er seine heutige Silhouette Elias Holl, der ihn im frühen 17. Jahrhundert erhöhte und mit einem Oktogon aus Säulen, einer Kuppel und einer Laterne bekrönte, was ihm sein Renaissanceprofil gab.
Was zu sehen ist
Die von Elias Holl geführte Umgestaltung ist das Renaissance-Element: Über den alten Schaft setzte er ein oktogonales Geschoss mit dorischen Säulen, bekrönt von einer Kuppel und einer in eine Zwiebel auslaufenden Laterne. Diese gelehrte, klare Bekrönung überträgt das antike Vokabular in die Höhe und paart den Turm mit dem benachbarten großen Rathaus, das Holl in denselben Jahren baute: Beide Bauten bilden ein geschlossenes bürgerliches Ensemble, Bild der städtischen Macht Augsburgs. Der Turm dient als Aussichtspunkt — 258 Stufen führen zur Plattform — und beherbergt ein Glockenspiel sowie, jeden 29. September, das Figurenspiel des „Turamichele". Den Perlach zu besteigen heißt, die Stadt der Spätrenaissance zu überblicken, die Elias Holl formte, Rathaus, Zeughaus und Brunnen inbegriffen.
Geschichte
Der Perlachturm entstand als Wachtbau im 10. Jahrhundert und diente lange als Glockenturm und Beobachtungspunkt. Seine Erhöhung durch Elias Holl, gerade als er das neue Rathaus (1615-1620) errichtete, gehört zu einem weiten Programm bürgerlicher Verschönerung: Die durch den Handel der Fugger und Welser reiche Reichsstadt gab sich ein städtisches Dekor nach dem Maß ihrer Macht. Die Renaissance-Bekrönung des Perlach, im Dialog mit dem Rathaus gedacht, ist eine ihrer sichtbarsten Gesten. Für den Atlas gilt der Turm als Teil des öffentlichen Werks Elias Holls und als Marke der Augsburger Silhouette: kein einzelner Bau, sondern ein Stück eines Ensembles — des Rathausplatzes —, das zu den schönsten bürgerlichen Programmen der Renaissance nördlich der Alpen zählt.

