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Renaissance in Deutschland

Augsburger Zeughaus

Augsburg

Augsburger Zeughaus

Betreten Sie das Zeughaus durch das Auge eines städtischen Büchsenmeisters. Über dem Portal schlägt der heilige Michael Luzifer nieder, in einem Getöse aus Bronze: ein Bild des geistlichen Kampfes an der Schwelle des irdischen. Dahinter hat Elias Holl — sein erster großer Bau — eine Halle mit toskanischen Säulen errichtet, in der die Waffen einer Reichsstadt ruhen, die dreitausend Soldaten beherbergen kann. Doch Augsburg ist zweigeteilt, Katholiken gegen Protestanten, und jeder weiß, dass das hier gehäufte Pulver bald dienen wird. Das Zeughaus ist ein Machtmanifest am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges — schön wie ein Palast, schwer wie eine Drohung.# Augsburger ZeughausAn der Fassade des Augsburger Zeughauses stürzt sich ein bronzener Erzengel mit erhobenem Schwert auf den Teufel. Hinter diesem eindrucksvollen Bild spielt sich ein entscheidender Augenblick ab: der, in dem ein junger Baumeister, Elias Holl, für seine Heimatstadt eine neue architektonische Sprache erfindet, am Übergang von der Spätrenaissance zum Frühbarock.

Was man sehen sollte

Der Blick wird vom Portal und seiner Bekrönung gefesselt: die Bronzegruppe des Erzengels Michael über Luzifer, ein Werk des Bildhauers Hans Reichle, gegossen vom Gießer Wolfgang Neidhardt. Es ist einer der schönsten Bronzegüsse der deutschen Renaissance, hierher gesetzt wie eine Ankündigung. Nehmen Sie sich Zeit, die Fassade selbst zu lesen: Ihre Komposition, nach einem Entwurf des Malers Joseph Heintz, verbindet regelmäßige Ordnung und Bewegung in einem Übergangsstil, den man dem Manierismus zurechnet. Im Inneren vermittelt der Saal im Erdgeschoss mit toskanischen Säulen das Maß des Baus, der zum Lagern der Waffen und zur Unterbringung der Truppe bestimmt war.

Geschichte

Das Zeughaus wird von 1602 bis 1607 von Elias Holl für die Reichsstadt Augsburg errichtet. Es ist das erste große Werk dessen, der zu einem der bedeutendsten Baumeister des Reiches werden sollte. Der Bau soll das Waffenarsenal der Stadt beherbergen und kann bis zu dreitausend Soldaten aufnehmen: Er ist zugleich Militärdepot und Machtbekundung. Die Fassade, nach einem Entwurf des Malers Joseph Heintz, erhält 1607 die Bronzegruppe Hans Reichles. Der Bau übersteht die Jahrhunderte; er überlebt die Bombardierung von 1944 und entgeht in den 1960er Jahren nach einem Rechtsstreit einem kommerziellen Abrissplan. Heute beherbergt er ein Begegnungs- und Ausstellungszentrum.

Symbole und Geheimnisse

Den Erzengel Michael über Luzifer an die Schwelle eines Zeughauses zu setzen, ist nicht beliebig. Der Erzengel ist der Anführer der himmlischen Heerscharen: Sein Kampf gegen den Teufel überträgt die kriegerische Funktion des Gebäudes auf die geistliche Ebene. In einer zwischen Katholiken und Protestanten geteilten Reichsstadt erinnert dieses starke Bild auch an die konfessionelle Dimension der Spannungen, die wenige Jahre später das Reich entzünden werden. Die Fassade selbst ist ein Manifest: Holl sucht eine Synthese zwischen dem Renaissance-Erbe und einer neuen Plastizität und kündigt den Barock an, ohne ganz hineinzugleiten.

Warum dieser Ort zählt

Das Zeughaus ist der öffentliche Geburtsakt des Elias Holl, der Augsburg einige der größten Profanbauten des deutschen 17. Jahrhunderts schenken sollte. Es markiert den Moment, in dem die Architektur der Reichsstadt von der Spätrenaissance zum Frühbarock übergeht und dabei die Klarheit der Ordnung bewahrt. Mit der Bronze Reichles vereint es in einem Bau die Spitzenleistung der Augsburger Architektur und Bildhauerei und macht die Fassade zu einem Höhepunkt der Kunst um 1600.

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