Auf ihrem Hügel über Spangenberg sträubt sich die landgräfliche Festung mit Basteien und einem gewaltigen Artillerieturm, unter Wilhelm IV. von Hessen modernisiert, um dem Geschütz standzuhalten. Zugleich feste Burg und Jagdschloss, zeigt sie das Doppelgesicht des Fürsten: den Krieger und den Jäger. Der Krieg hat die Mauern versehrt, seither erneuert; die gedrungene Silhouette aber ist die von damals.
Was man sehen sollte
Spangenberg ist eine Höhenfestung, und ihr Verteidigungssystem gilt es zu lesen. Im Nordosten, wo der Hügel den leichtesten Zugang bot, sieht man noch die Artilleriebastionen und den mächtigen Rundturm von 22 Metern Durchmesser, Eckstein des Werks: keine mittelalterlichen Türme, sondern Werke der Renaissance, für den Pulverkrieg gedacht. Unter der Erde zieht sich ein Netz von unterirdischen Verteidigungsgängen, großenteils erhalten. Um 1580 schließen ein großer Saal und ein Kommandantenbau den Hof und vollenden die Anlage.
Man muss dieses Schloss im Wissen um seine bewegte Geschichte betrachten: 1945 schwer zerstört, wurde es nach dem Krieg großenteils wieder aufgebaut. Doch seine Silhouette, seine Bastionen, sein Geschützturm — der von Wilhelm IV. gewollte Renaissanceteil — geben noch das Maß einer Festung des späten 16. Jahrhunderts. Der älteste Rest, ein Gewölbekeller des 13. Jahrhunderts, erinnert unter den Wiederaufbauten an die lange Dauer des Ortes.
Geschichte
Das Schloss beherrscht Spangenberg seit dem Mittelalter. 1350 kauft es Landgraf Heinrich II. von Hessen: Über zwei Jahrhunderte wird Spangenberg Residenz und Jagdschloss der Landgrafen — mehrere werden hier geboren oder sterben hier. Die entscheidende Wandlung bringt das 16. Jahrhundert mit Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, dem Weisen (1532-1592), Fürst, Astronom und Bauherr, der „die Festung wesentlich verstärkte und dem Schloss sein heutiges äußeres Erscheinungsbild gab": Artilleriebastionen am nordöstlichen Zugang, mächtiger Geschützturm, unterirdische Gänge, dann der große Saal und der Kommandantenbau um 1580.
Nach seinem Festungsalter erlebt Spangenberg aufeinanderfolgende Leben: Staatsgefängnis von 1763 bis 1866, Forstschule von 1907 bis 1939, Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg. 1945 wird das Schloss zerstört; in den folgenden Jahren wiederaufgebaut, beherbergt es seit den 1950er Jahren ein Hotel mit Restaurant. Vom Jagdschloss zur Renaissancefestung, dann vom Gefängnis zum Hotel hat das Schloss sechs Jahrhunderte durchquert und seinen Gebrauch gewechselt — doch es war die Bauphase Wilhelms IV., die seine Gestalt festlegte.
Symbole und Geheimnisse
Der mächtige Rundturm und die Bastionen künden von der Wende des 16. Jahrhunderts: das Ende der hohen mittelalterlichen Türme, die Herrschaft der niedrigen, dicken, für die Artillerie gedachten Werke. Wilhelm IV., den man vor allem als Astronomen kennt — er unterhielt in Kassel eine der ersten modernen Sternwarten Europas —, war auch ein Erbauer von Festungen: Derselbe Geist des Berechnens und Messens waltet über seinen Mauern wie über seinen Sternen. Das Geheimnis Spangenbergs liegt in dieser Doppelnatur: ein Ort fürstlicher Jagd und Lust, zugleich eine gelehrte Kriegsmaschine.
Warum dieser Ort zählt
Weil Spangenberg die Festung der Renaissance so zeigt, wie sie einer der gebildetsten Fürsten seiner Zeit entwarf. Als Residenz und Jagdschloss der Landgrafen von Hessen über zwei Jahrhunderte verdankt das Schloss Wilhelm IV. dem Weisen seine Bastionen und seinen mächtigen Geschützturm — den Renaissanceteil, der den Gebräuchen und Zerstörungen standhielt. Es ist ein Ort, an dem sich die Befestigungskunst des 16. Jahrhunderts noch am Stein ablesen lässt, hoch über der Altstadt.

