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Renaissance-Skulptur

Renaissance-Grabdenkmäler der Stiftskirche Aschaffenburg

Renaissance-Grabdenkmäler der Stiftskirche Aschaffenburg

Die Stiftskirche St. Peter und Alexander in Aschaffenburg bewahrt Dutzende figürlicher Grabdenkmäler des 16. Jahrhunderts. Das bedeutendste ist der Bronzekenotaph des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, um 1525 aus der Nürnberger Werkstatt des Peter Vischer d. Ä. hervorgegangen.

Was man sehen sollte

Im Nordflügel zieht das Denkmal des Kardinals Albrecht zuerst den Blick auf sich: ein Bronzebildnis von großer Feinheit, das den Kirchenfürsten im Ornat zeigt, gegossen von der Werkstatt, die das Sebaldusgrab in Nürnberg geschaffen hatte. Die Bronze, seltener und kostbarer Stoff, behauptet zugleich den Reichtum und den gelehrten Geschmack des Auftraggebers. Ringsum reiht die Stiftskirche eine Folge von Grabsteinen und Epitaphien des 16. und frühen 17. Jahrhunderts: Domherren, Würdenträger und Prälaten erscheinen im Relief, in einem Zierwerk, in dem gotische Nachklänge und neue Renaissanceformen sich mischen. Der Bildhauer Hans Juncker, im frühen 17. Jahrhundert in Aschaffenburg tätig, hinterließ hier ebenfalls Werke in Renaissancesprache.

Geschichte

Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), einer der größten Mäzene und Sammler seiner Zeit — und die Gestalt, gegen die Luther seine Thesen zum Ablass richtete —, zog sich nach der Einführung der Reformation in Halle 1541 nach Aschaffenburg zurück und brachte zahlreiche Kunstwerke mit. Sein Bronzedenkmal wurde in mehreren Stufen aufgestellt (Epitaph um 1525, Marienrelief um 1530, Baldachin um 1536) und machte die Stiftskirche zu einem Gedächtnisort der Mainzer Kurfürsten, deren Nebenresidenz Aschaffenburg war. Die bis um 1618 vermehrte Reihe der Grabdenkmäler macht die Kirche zu einer Anthologie der Renaissance-Grabplastik im rheinisch-fränkischen Raum. Die Nähe zum Schloss Johannisburg macht Aschaffenburg vollends zu einer kleinen Hauptstadt der rheinisch-fränkischen Renaissance.

Symbole und Geheimnisse

Die Bronze, seltener und kostbarer Stoff, verkündet allein den Rang des Kirchenfürsten: Der Kardinal zeigt sich im Ornat, verewigt im edelsten Metall. Das Albrecht-Denkmal ist ein Kenotaph-Memorial, kein Grab: aufgestellt von eben dem, den Luther im Ablassstreit bekämpfte, aus der Werkstatt, die das Sebaldusgrab goss. Die dreistufige Aufstellung lässt sich im Nordflügel noch lesen. Vor der fein ziselierten Bronze empfindet man die Ambivalenz der Gestalt, großer Mäzen und Ziel von Luthers Thesen: Die Pracht des Metalls gebietet Respekt, die Erinnerung an den Konfessionskonflikt tönt die Betrachtung mit Ernsthaftigkeit.

Warum dieses Werk zählt

Die Reihe macht die Kirche zu einer Anthologie der Renaissance-Grabplastik im rheinisch-fränkischen Raum, von der fürstlichen Bronze bis zu den steinernen Epitaphien der Kleriker, und bezeugt die Rolle der Stadt als Kunstherd unter den Mainzer Erzbischöfen. Der Kenotaph Albrechts, ein Werk der Vischer-Werkstatt, verbindet Aschaffenburg mit Nürnberg und schreibt in Bronze das Gedächtnis eines der größten Mäzene der deutschen Renaissance fest.

Siehe auch