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Renaissance-Skulptur

Das Sebaldusgrab

Das Sebaldusgrab

Im Herzen der Nürnberger Sebalduskirche birgt ein mächtiger Bronzeschrein die Reliquien des Stadtpatrons. Von 1508 bis 1519 von Peter Vischer dem Älteren und seinen Söhnen gegossen, zählt es zu den Gipfeln des europäischen Bronzegusses: ein Bauwerk im Kleinen, in dem die ausgehende Gotik und die italienische Renaissance vor den Augen des Besuchers zusammenleben.

Was man sehen sollte

Das Monument liest sich als kleine Architektur. Ein von Säulen getragener Bronzebaldachin umschließt den silbernen Reliquienschrein des heiligen Sebald. Der Reiz liegt im Detail: An den Ecken wimmeln Delphine, Schnecken, Eidechsen und Sirenen, vermischt mit pausbäckigen Putten und den zwölf Aposteln. Oben wachen Propheten und Szenen der Wunder des Heiligen. Der Sockel ruht auf riesigen bronzenen Schnecken — vielleicht ein Hinweis auf die Langsamkeit der Arbeit.

Suchen Sie auf halber Höhe eine kleine Männerfigur in Lederschurz und Mütze: Es ist das Selbstbildnis Peter Vischers, Meißel und Hammer in der Hand, der sein Werk nach Art der italienischen Künstler signiert — eine Weise zu sagen, dass sich der deutsche Gießer nun zu den Schöpfern zählt.

Geschichte

Sebald, ein Einsiedler des 8. Jahrhunderts, ist der Schutzpatron Nürnbergs. Um seine Reliquien zu ehren, beauftragt die Stadt die Werkstatt Vischer, die große Gießerdynastie der Stadt, mit einem Monument, das ihres Handelsreichtums würdig ist. Der ursprünglich gotische Entwurf wird unterwegs überarbeitet: Im Lauf der elf Arbeitsjahre durchdringt das Renaissance-Vokabular — Putten, Muscheln, antikische Ranken — das Werk, bis es zum genauen Zeugen des Umbruchs wird. Nürnberg, die Stadt Dürers, ist damals das Laboratorium, in dem Deutschland Italien lernt; das Sebaldusgrab ist der in Metall gegossene Beweis.

Symbole und Geheimnisse

Das Getier auf dem Bronzewerk ist nicht beliebig: Schnecken und Eidechsen, Geschöpfe der Erde und der Nacht, rahmen im Kontrast die emporstrebende Heiligkeit. Und Vischers scheinbar demütiges Selbstbildnis ist eine Geste modernen Stolzes: Der Handwerker macht sich zum Künstler und verkündet es zu Füßen des Heiligen.

Warum dieses Werk zählt

Weil es in einem einzigen Monument zeigt, wie die deutsche Renaissance aus der Gotik entsteht — ohne Bruch, durch Ansteckung der Formen. Es ist das skulpturale Gegenstück zu dem, was Dürer damals wenige Straßen entfernt in der Grafik tut.

Siehe auch