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Renaissance-Skulptur

Das Schreyer-Landauer-Epitaph: die Passion im Wind

Das Schreyer-Landauer-Epitaph: die Passion im Wind

An der Außenwand des Chores von St. Sebald erzählen drei große Sandsteinreliefs Tod und Auferstehung Christi. Vom jungen Adam Kraft zwischen 1490 und 1492 für die Grabstätte zweier Patrizierfamilien geschnitten, trotzen sie seit fünf Jahrhunderten Straße und Witterung — ein dem Blick aller preisgegebenes Meisterwerk.

Was man sehen sollte

Das Werk steht im Freien, an der Ostseite der Kirche: selten für eine Skulptur dieser Güte. Drei Reliefs, wie die Tafeln eines Retabels angeordnet, entfalten das österliche Drama: Kreuztragung und Kalvarienberg, Grablegung, Auferstehung Christi. Treten Sie näher: Adam Kraft entfaltet hier einen erstaunlichen Beobachtungssinn. Jede Gestalt hat ihre Haltung, ihr Gesicht, ihre Empfindung; die Menge drängt, die Soldaten regen sich, die frommen Frauen sammeln sich. Der Sandstein wird zum Theater des Lebens, in dem sich das Heilige inmitten einer konkreten Menschheit abspielt. Das Ganze diente als Grabmal: vor ihm sollte man für die Verstorbenen der Familien Schreyer und Landauer beten.

Geschichte

1490 bestellten Sebald Schreyer, Kirchenmeister von St. Sebald, und sein Neffe Matthäus Landauer dieses Grabmal bei Adam Kraft für ihre Grabstätte an der Ostchorwand. Das Werk wurde zu Ostern 1492 vollendet. Adam Kraft, noch jung, bekräftigte darin bereits die Beherrschung des erzählenden Reliefs, die seinen Ruhm begründen würde und wenige Jahre später jenen des großen Sakramentshauses von St. Lorenz. Der Stifter Matthäus Landauer ist kein Unbekannter: er wird später das Zwölfbrüderhaus stiften und bei Albrecht Dürer eines seiner Hauptwerke bestellen, die Anbetung der Dreifaltigkeit. Ein und dasselbe Nürnberger Mäzenatenumfeld verbindet so die größten Künstler der Stadt.

Symbole und Geheimnisse

Das Programm — Passion, Grablegung, Auferstehung — passt zu einem Grabmal: es verbindet den Tod des Christen mit dem Christi und verheißt ihm, wie diesem, die Auferstehung. Der ausgesetzte Außenstandort ist kein Zufall: dort lag das Grab, von der Straße sichtbar, den Vorübergehenden zum Gebet einladend. Das Geheimnis des Werks liegt in seinem Überleben: seit über fünf Jahrhunderten der Witterung ausgesetzt, musste es geschützt und restauriert werden; ein einst gefertigter Abguss wird im Victoria and Albert Museum in London bewahrt, Zeuge von Krafts internationalem Ruf.

Warum dieses Werk zählt

Weil es eines der großen Jugendwerke Adam Krafts ist, in dem sich das Genie des erzählenden Sandsteinreliefs bereits bekräftigt. Weil es den Brauch der patrizischen Grabstiftungen veranschaulicht, die die Kirchen Nürnbergs mit Meisterwerken bedeckt haben. Und weil es durch die Person des Matthäus Landauer die Kunst Adam Krafts mit jener Albrecht Dürers verbindet, in jenem Nürnberg, das um 1500 einer der intensivsten Herde der europäischen Kunst war.

Das Epitaph öffnet auch ein Fenster zum religiösen Leben des ausgehenden Mittelalters, in dem der Tod einen zentralen Platz einnahm. Die wohlhabenden Familien häuften Messstiftungen, Grabmäler und fromme Werke, in der Hoffnung, ihren Aufenthalt im Fegefeuer durch die Gebete der Lebenden zu verkürzen. Seine Grabstätte an den Chor der Kirche zu legen, unter ein der Straße ausgesetztes Passionsrelief, hieß das Gebet des Vorübergehenden zu erbitten und sein Gedächtnis in das Gewebe der Stadt selbst einzuschreiben. Adam Kraft machte, indem er diese Szenen mit so konkreter Menschlichkeit behandelte, die Betrachtung allen zugänglich: jeder konnte in der Menge um Christus seine eigenen Empfindungen wiedererkennen. Das Werk, zugleich privates Monument und öffentliche Predigt, fasst die soziale Funktion der sakralen Kunst zusammen, bevor die Reformation ihre Gebräuche umstürzte.

Siehe auch