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Renaissance-Skulptur

Heiliger Mauritius

Heiliger Mauritius

Bronzeritter in fein ziselierter Rüstung, steht der heilige Mauritius im Germanischen Nationalmuseum, ein Werk, das der Werkstatt Peter Vischers des Älteren um 1507 zugeschrieben wird. 76,5 cm hoch, bezeugt er die Geburt der Bronzestatuette im Nürnberg der Renaissance.

Was man sehen sollte

Der heilige Mauritius erscheint als junger, stehender Ritter, gekleidet in eine mit außerordentlicher Sorgfalt wiedergegebene spätgotische Rüstung: Platten, Gelenke, Nieten, alles ist ziseliert. Der leicht im Kontrapost stehende Körper nimmt eine elegante, fast höfische Haltung ein. Der an den linken Schenkel gelehnte Schild trägt ein Wappen; Lanze und Banner, heute restauriert, vervollständigen die militärische Ausrüstung. Die patinierte und teilvergoldete Bronze fängt das Licht auf den polierten Flächen der Rüstung. Es ist ein Werk von geringer Größe, aber bemerkenswerter Dichte und Verfeinerung, auf halbem Weg zwischen Andacht und Prestigeobjekt.

Geschichte

Um 1500 beherbergte Nürnberg die angesehenste Gießerei Deutschlands, die Peter Vischers des Älteren (um 1460-1529), dessen Hauptwerk, das Sebaldusgrab, zwischen 1508 und 1519 gegossen wurde. In dieses Milieu ist dieser heilige Mauritius einzuordnen, vom Bildhauer Simon Lainberger modelliert und um 1507 gegossen. Es handelt sich um einen zweiten Guss: Sein Schild trägt das Wappen der Patrizierfamilie Imhoff, denn diese Fassung schmückte den Hofbrunnen ihres Nürnberger Hauses. Das Werk wird heute im Germanischen Nationalmuseum unter der Nummer Pl.O.2220 bewahrt. Die genaue Zuschreibung bleibt vorsichtig: Man spricht von der Werkstatt oder dem Kreis Peter Vischers des Älteren.

Symbole und Geheimnisse

Mauritius war der Überlieferung nach ein römischer Offizier aus Afrika, Anführer der Thebäischen Legion, mit seinen Männern hingemetzelt, weil er sich weigerte, seinen Glauben zu verleugnen. Als Patron der Soldaten, der Färber und zahlreicher Städte wird er hier nicht als leidender Märtyrer dargestellt, sondern als idealer Ritter, Bild der mit militärischem Adel verbundenen christlichen Standhaftigkeit. Die Wahl der Bronze, eines dauerhaften und kostbaren Werkstoffs, dient dieser Botschaft heroischer Festigkeit. Das vielsagendste Detail ist das Imhoff-Wappen auf dem Schild: Es erinnert daran, dass das Objekt, so heilig es war, auch ein Zeichen familiären Prestiges war, das im Herzen eines Patrizierhauses thronte.

Warum dieses Werk zählt

Dieser heilige Mauritius veranschaulicht einen entscheidenden Moment: die Geburt der Renaissance-Bronzestatuette in Nürnberg. Die Vischer-Gießerei spielte dabei eine Pionierrolle und verband das lokale Können der Gießer mit den aus dem Süden kommenden neuen Formen. Das Werk vereint Frömmigkeit, patrizischen Prestige und eine technische Virtuosität – den Hohlguss –, die die großen Bronzeproduktionen des 16. Jahrhunderts ankündigt. Im Germanischen Nationalmuseum bewahrt, bleibt er ein bedeutender Zeuge der Metallkunst in der Reichsstadt.

Die Figur lädt auch dazu ein, über die oft unscharfe Grenze zwischen Andachtsobjekt und Prestigeobjekt nachzudenken. Für einen privaten Hofbrunnen bestimmt und das Imhoff-Wappen tragend, war sie kein bloßes profanes Ornament: Der heilige Mauritius, militärischer Patron, wachte über das Haus und erinnerte an die Frömmigkeit seiner Besitzer. Doch seine Gegenwart in einem Patrizierhaus und nicht in einer Kirche bezeugt einen neuen Gebrauch der Bildhauerei, bei dem das sakrale Bild auch der gesellschaftlichen Repräsentation einer großen Kaufmannsfamilie diente. Diese Verschiebung kündigt die Kunst- und Wunderkammern und die Privatsammlungen an, die im 16. Jahrhundert aufblühen werden. Durch seine geringe Größe, seinen kostbaren Werkstoff und seine virtuose Ausführung steht der heilige Mauritius genau an diesem Scheideweg: noch andächtig durch sein Thema, schon Kunstobjekt durch seine Funktion. So erhellt er den Wandel des Status der Bildhauerei in der Renaissance, vom Kirchenretabel zur Sammlungsbronze.

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