Hans Daucher — sculpture, 1520. Maximilianmuseum, Augsburg (DE).
Kontext
Augsburg ist zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine der für italienische Vorbilder offensten Reichsstädte, getragen von ihren Bankiers, Druckern und dem Austausch mit dem Süden. Hans Daucher, Sohn und Erbe einer Bildhauerdynastie, ist hier einer der Meister der frühen deutschen Renaissance. Er zeichnet sich durch kleine Reliefs von sehr hoher Ausführungsqualität aus, bestimmt für die private Andacht oder das Sammlerkabinett. Dieses Relief von 1520, das Maria mit dem Kind, umgeben von Engeln, darstellt, bezeugt, wie die italienischen Formen — Triumphbogen, Zentralperspektive, antikisierendes Ornament — in die deutsche Kunst eindrangen, meist durch die Vermittlung der Druckgraphik. Im Maximilianmuseum Augsburg bewahrt, erlaubt das Werk, Dauchers Studien zur gemalten Architektur, zum Relief und zu antikischen Figuren zu erkunden.
Bedeutung
Das Werk stellt die Heilige Familie unter einen italienischen Bogen, gemäß dem neuen Geschmack einer von klassischer Architektur gerahmten Andacht. Es bezeichnet die Aneignung des Vokabulars der italienischen Renaissance in Augsburg, nicht durch bloße Kopie, sondern durch eigene Neukomposition. Maria mit dem Kind, ein Hauptthema der Frömmigkeit, findet hier eine gelehrte Inszenierung, zugleich innig und trotz des kleinen Formats monumental.
Bemerkenswerte Elemente
Das Relief von geringen Maßen zeichnet sich durch die Feinheit des bearbeiteten Kalksteins und die Beherrschung der angedeuteten Tiefe aus: Die Figuren fügen sich unter einen vorspringenden, italienisch behandelten Bogen, der den Raum nach einer Zentralperspektive ordnet. Engel, Maria und Kind sind mit der Präzision eines Miniaturmalers modelliert. Das Ornament, unmittelbar von südlichen Vorbildern angeregt, bezeugt die Aufmerksamkeit für das antikische Detail.
Symbolik
Maria mit dem Kind, umgeben von Engeln, stellt die Menschwerdung und die göttliche Mutterschaft dar, das Herz der Marienverehrung. Der antikisierende Bogen, der sie rahmt, wirkt als Schwelle, ein Triumphbogen, der die Größe der klassischen Architektur auf den Glauben überträgt: Maria wird wie eine Herrscherin unter einem Ehrenportikus dargeboten.
Geheimnisse und Rätsel
Die genauen Umstände des Auftrags und der erste Empfänger des Reliefs sind nicht gesichert überliefert. Die genaue Art des verwendeten Kalksteins und die ursprüngliche Funktion — private Andacht oder Sammlungsstück — entsprechen eher dem üblichen Gebrauch von Dauchers kleinen Reliefs als einer genauen Überlieferung.
Analyse der Emotionen
Das kleine Format lädt zur Innigkeit ein: Man tritt näher, und die Szene öffnet sich wie ein Fenster auf eine geordnete, sanfte Welt. Die Zärtlichkeit zwischen Maria und dem Kind, unterstrichen durch die Gegenwart der Engel, entfaltet sich in einem architektonischen Rahmen, der ihr Ruhe und Würde verleiht.
Führungstext
Treten Sie näher: Es ist ein Werk kleinen Formats, für den nahen Blick geschaffen. Betrachten Sie den italienischen Bogen, der Maria und das Kind rahmt — ein Triumphbogen im Kleinen, der die Tiefe nach einer aus Italien stammenden Zentralperspektive ordnet. Beachten Sie die Feinheit des Kalksteins: Die Gesichter, die Flügel der Engel, die Ornamente sind mit der Präzision eines Kupferstechers behandelt. Sie haben hier ein Zeugnis der Augsburger Renaissance vor sich, in der die Formen des Südens in die deutsche Kunst eintreten.
Anekdote
Hans Daucher gehört einer Augsburger Bildhauerdynastie an und machte sich auf kleine Reliefs von bemerkenswerter Ausführungsqualität spezialisiert, in denen das Ornament unmittelbar den durch die Druckgraphik verbreiteten italienischen Vorbildern entlehnt ist.
