HitsMap

Renaissance-Skulptur

Herkulesbrunnen

Herkulesbrunnen

Am Ende der Maximilianstraße erhebt ein nackter Held seine Keule gegen ein vielköpfiges Ungeheuer: Herkules, der die Hydra bezwingt. Von Adriaen de Vries um 1597-1602 modelliert, krönt dieser Bronzebrunnen die Trilogie der Augsburger Prachtbrunnen.

Was man sehen sollte

An der Spitze erhebt sich die Gruppe von Herkules und Hydra: Der muskulöse, bärtige Held, das Siegerband im Haar, schwingt seine Keule über dem Wasserungeheuer, dessen Köpfe sich winden. Die etwa drei Meter hohe Komposition verbindet rohe Kraft und die manieristische Eleganz der langgestreckten Proportionen. Rings um den Sockel wechseln drei weibliche Figuren mit drei in Marmor gefassten vergoldeten Bronzereliefs ab, kostbare, oft bemerkte Details. Wie bei seinen Schwestern wird die originale Gruppe im Maximilianmuseum bewahrt, während eine Kopie die Maximilianstraße schmückt.

Geschichte

Nach den Brunnen des Augustus und des Merkur wollte Augsburg die Verschönerung seiner großen Prachtstraße durch ein drittes Monument vollenden. Es übertrug die Arbeit erneut Adriaen de Vries, dem bei Giambologna geschulten niederländischen Bildhauer, dessen Talent sich mit dem Merkur gezeigt hatte. Der Gießer Wolfgang Neidhardt goss das Werk, das um 1602 vollendet wurde. Der Herkulesbrunnen vervollständigte so das Trio der Prachtbrunnen, eines der bewundertsten städtebaulichen Ensembles der europäischen Renaissance. Kurz darauf verließ de Vries Süddeutschland, um Hofbildhauer Kaiser Rudolfs II. in Prag zu werden.

Symbole und Geheimnisse

Der Kampf des Herkules gegen die lernäische Hydra, eine der zwölf Arbeiten des Helden, ist hier mit lokalem Sinn aufgeladen. Die Hydra, Ungeheuer der Gewässer mit immer neu nachwachsenden Köpfen, symbolisiert die ungezähmten Kräfte; Herkules, der sie bezwingt, verkörpert die ordnende Kraft. Für Augsburg, eine Stadt, deren Wohlstand teils auf einem kunstvollen Wassersystem – Kanälen, Rädern, Brunnen – beruhte, wird der die Gewässer beherrschende Held zur Allegorie des bürgerlichen Genies. Die drei Brunnen bilden dann ein stimmiges Programm: Augustus verkörpert die Macht und die römische Abkunft, Merkur den Handel, Herkules die elementebeherrschende Kraft. Gemeinsam verkünden sie die Grundlagen der Größe der Stadt.

Warum dieses Werk zählt

Der Herkulesbrunnen ist ein Meisterwerk der Reife des Adriaen de Vries und die Krönung der Trilogie der Prachtbrunnen. Er bestätigt Augsburg als eines der großen europäischen Zentren des großen manieristischen Bronzegusses, das mit den Fürstenhöfen wetteiferte. Durch die Virtuosität seiner Modellierung, den Reichtum seiner vergoldeten Reliefs und die Kraft seiner Heldenfigur schließt er meisterhaft eines der schönsten Ensembles der Renaissance in Deutschland ab. Im Wesentlichen im Maximilianmuseum bewahrt, beherrscht er durch seine Kopie weiterhin die Maximilianstraße.

Das Ensemble der drei Brunnen verdient es, als einheitliches Programm gedacht zu werden, selten im Städtebau seiner Zeit. In etwa fünfzehn Jahren stattete Augsburg seine Hauptstraße mit drei Bronzemonumenten komplementärer Bedeutung aus: Augustus für die Legitimität und den römischen Ursprung, Merkur für den Handel, Herkules für die ordnende Kraft. Nichts Vergleichbares gab es damals in den deutschen Städten, wo Brunnen oft bloße geschmückte Wasserstellen blieben. Diese Haltung offenbart das Bewusstsein, das die Stadt von ihrem Rang und ihrem Bild hatte, zu einer Zeit, als sie die Reichstage beherbergte und zu den Finanzhauptstädten des Kontinents zählte. Die Zusammenarbeit von Adriaen de Vries, lokalen Gießern wie Wolfgang Neidhardt und den städtischen Obrigkeiten veranschaulicht eine künstlerische Organisation von großer Reife. Der Herkulesbrunnen, der diese Trilogie krönt, besiegelt den Augenblick, in dem sich Augsburg als eines der glänzendsten Schaufenster der Renaissance nördlich der Alpen behauptete. Der Besucher, der die Maximilianstraße hinaufgeht, liest darin, Brunnen um Brunnen, die Erzählung einer Stadt auf dem Gipfel ihrer Macht.

Siehe auch