Der Würzburger Dom St. Kilian bewahrt eine lange Reihe von Grabmälern der Fürstbischöfe. Nach den Übergangsgrabmälern Riemenschneiders (Scherenberg, Bibra) stammen die eigentlichen Renaissance-Epitaphien von Loy Hering und Peter Dell d. J. Das Ensemble ist in situ erhalten.
Was man sehen sollte
Das Scherenberg-Grabmal zeigt den greisen Fürstbischof stehend, das Gesicht von ergreifendem Realismus, von Falten durchzogen — eines der ersten wahrhaft individualisierten Grabporträts der deutschen Skulptur. Das zwanzig Jahre jüngere Bibra-Grabmal zeigt bereits eine architektonische Rahmung und ein Zierwerk, in dem italienische Formen auftauchen, Pilaster und Ranken, Zeichen der Renaissance, die Franken erfasst. Zu diesen beiden Meisterwerken des Vorfelds tritt die Reihe der Renaissance-Epitaphien der folgenden Bischöfe von Loy Hering und Peter Dell d. J., die den Dom zu einer Galerie fränkischer Grabplastik macht. Von Platte zu Platte verfolgt man die Entwicklung der bischöflichen Tracht, des Ornaments und der Bildnisauffassung.
Geschichte
Der Dom, eine der größten romanischen Kirchen Deutschlands, wurde 1945 schwer beschädigt und wiederaufgebaut; die großen Steinmonumente, darunter die Riemenschneiders, überstanden dies jedoch und blieben am Platz. Der Auftrag dieser Grabmäler durch die Fürstbischöfe diente zugleich der Frömmigkeit, dem dynastischen Gedächtnis und der Behauptung der weltlichen und geistlichen Macht des Hochstifts Würzburg. Riemenschneider, Bürgermeister und Bildhauer der Stadt, gab hier das Maß seiner Kunst des Steinporträts; die folgende Generation mit Loy Hering und Peter Dell d. J. gewöhnte das Renaissancevokabular voll ein. Die Kontinuität der Reihe vom 15. bis ins 17. Jahrhundert macht diese Monumente zu einem erstrangigen Repertoire.
Symbole und Geheimnisse
Die lange Folge der Grabmäler behauptet die Doppelsouveränität des Hochstifts: Der Seelenhirte und der weltliche Fürst ruhen nebeneinander, in liturgischem Ornat und unter dem Wappen ihres Hauses. Die Zuschreibung verlangt Vorsicht: Riemenschneider eröffnet die Reihe im Vorfeld, am Übergang von Gotik zu Renaissance, doch die eigentlichen Renaissance-Epitaphien stammen von Loy Hering und Peter Dell d. J. Das Scherenberg-Grabmal erschüttert durch den Realismus des greisen, faltigen Gesichts; von Platte zu Platte wandert der Blick von gotischer Ernsthaftigkeit zur heiteren Sicherheit der Renaissance. Die großen Steinmonumente überstanden die Zerstörungen von 1945.
Warum dieses Werk zählt
Die Kontinuität der Reihe vom 15. bis ins 17. Jahrhundert macht diese Monumente zu einem erstrangigen Repertoire für die Geschichte der Grabplastik Süddeutschlands, in der die Renaissance durch das Ornament eindringt, ehe sie die Figur verwandelt. Der Würzburger Dom bietet so an einem einzigen Ort die bildliche Erzählung vom Übergang der Gotik zur Renaissance in der Grabkunst, von Riemenschneider zu Loy Hering und Peter Dell d. J.

