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Renaissance-Malerei

Die Heiligen Erasmus und Mauritius

Die Heiligen Erasmus und Mauritius

Zwei durch Jahrhunderte getrennte Heilige stehen einander gegenüber: Erasmus als reicher Bischof, Mauritius in funkelnder Silberrüstung, ein schwarzer Heiliger von souveräner Würde. Grünewald, der Maler des Isenheimer Altars, gestaltet hier eine unmögliche Begegnung, erfüllt von Purpur, Gold und Inbrunst — zu einer Zeit, als die Reformation den Heiligenkult erschüttert.

Was man sehen sollte

Die große Tafel (226 × 176 cm) zeigt links den heiligen Erasmus in prächtigem bischöflichem Gewand, die Winde, das Werkzeug seines Martyriums, in der Hand. Rechts hebt der heilige Mauritius, in eine Silberrüstung von schwindelerregender Virtuosität gekleidet, die Hand zu ihm. Grünewald entfaltet seine ganze Kunst der Materialien: Brokate, Goldschmiedearbeiten, Metallreflexe, Perlen. Hinter Erasmus stehen Berater, hinter Mauritius Soldaten. Achten Sie auf das Gesicht des heiligen Mauritius, eines der schönsten Bildnisse eines schwarzen Mannes der deutschen Renaissance, und auf die Genauigkeit, mit der jeder Stoff wiedergegeben ist.

Geschichte

Das Werk wurde von Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, zwischen 1520 und 1524 für die neue Stiftskirche in Halle in Auftrag gegeben. Es sollte diesen Sakralraum schmücken, der seine berühmte Reliquiensammlung barg. Der Maler, Matthias Grünewald (um 1470/75-1528), mit wirklichem Namen Mathis Gothart Nithart, war einer der originellsten Künstler des Reichs. Das Bild ist wohl eines seiner letzten großen Werke: Bald darauf zwang das Vordringen der Reformation in Halle den Kardinal zum Rückzug. Das Werk zählt heute zu den Meisterwerken der Alten Pinakothek München.

Symbole und Geheimnisse

Die Begegnung der beiden Heiligen ist eine symbolische Konstruktion: Erasmus und Mauritius sind die Patrone des Erzbistums und der Stiftskirche Albrechts. Indem er sie vereint, bekräftigt der Kardinal die Legitimität des Heiligen- und Reliquienkults, den Luther gerade angriff. Dass der heilige Erasmus die Züge des Kardinals selbst trägt, verwandelt das Bild in ein sakrales Selbstbildnis: Albrecht schlüpft in die Haut des Heiligen. Die Tafel steht im Dialog mit dem anderen großen Auftrag des Prälaten, Cranachs „Kardinal Albrecht vor dem gekreuzigten Christus", im selben Museum bewahrt. Die würdevolle, detaillierte Darstellung des heiligen Mauritius zeugt von einer in der Kunst der Zeit seltenen Aufmerksamkeit für die Gestalt eines afrikanischen Heiligen.

Warum dieses Werk zählt

Es ist eines der wenigen erhaltenen Hauptwerke Grünewalds, eines genialen und lange verkannten Künstlers. Das Bild dokumentiert das prächtige Mäzenatentum des ausgehenden religiösen Mittelalters, genau in dem Augenblick, in dem die Reformation seine Quelle versiegen lässt. Mit dem heiligen Mauritius bietet es eines der edelsten Bilder eines schwarzen Mannes in der europäischen Renaissancemalerei. Als Meisterwerk der Farbe und der Materie bildet es, neben dem Isenheimer Altar, einen Gipfel der deutschen Kunst und eines der Juwelen der Alten Pinakothek.

Im Rundgang der Alten Pinakothek verdient dieses Meisterwerk eine längere Station. Zuerst bewundere man die Könnerschaft des Malers in der Wiedergabe der Silberrüstung des heiligen Mauritius, eines der schönsten Stücke metallischer Reflexmalerei der ganzen Renaissance. Sodann ermesse man die historische Bedeutung der mit voller Würde behandelten Gestalt eines schwarzen Heiligen, gegen den Strich der Stereotype der Zeit. Schließlich versteht sich der Dialog der beiden Heiligen, Patrone des Erzbistums Albrechts, als Verteidigung des Heiligenkults in eben dem Augenblick, in dem die Reformation ihn verwirft. Im Blick auf das Bildnis desselben Kardinals von Cranach, im selben Museum bewahrt, bietet die Tafel einen ergreifenden Zugang zur religiösen, prächtigen und bedrohten Welt des Deutschlands des frühen 16. Jahrhunderts.

Man nehme sich Zeit für die Nebenfiguren: hinter dem heiligen Erasmus ein Berater mit ernstem Gesicht, hinter dem heiligen Mauritius kampferprobte Soldaten. Grünewald charakterisiert durch Gesichter und Haltungen die verschiedenen Schichten der Gesellschaft seiner Zeit. Diese menschliche Dichte, verbunden mit dem übernatürlichen Glanz der Materialien, macht das Bild zu weit mehr als einem Andachtsbild: zu einem wahren Abbild der Welt, erfasst in dem Augenblick, in dem die Reformation ihre Ordnung umstürzen wird. Darum bleibt es einer der absoluten Gipfel der Sammlung.

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