Ein Triptychon, in dem die Krippe von Bethlehem in einen ruinösen Palast einzieht, flankiert von zwei gerüsteten Rittern, die Wache zu halten scheinen. Um 1500 für eine große Nürnberger Familie gemalt, zeigt der Paumgartner-Altar einen aus Italien zurückgekehrten Dürer, der gelehrte Perspektive und nördliche Frömmigkeit verbindet.
Was man sehen sollte
Die Mitteltafel ist eine nächtliche Geburt Christi inmitten antiker Ruinen. Maria, Joseph und eine Schar Engel umgeben das auf dem Boden liegende Kind, winzig und strahlend; im Hintergrund öffnet sich die Architektur in die Tiefe zu einer Landschaft. Hier und dort kleine kniende Figuren in verkleinertem Maßstab: die Stifter. Die beiden Flügel wechseln das Register: auf jedem steht, fast lebensgroß, ein Soldatenheiliger — Georg links mit flatterndem Banner, Eustachius rechts — in einer Rüstung, deren jeden Reflex Dürer wiedergibt. Am Fuß der Flügel Wappenschilde. Das Ganze lässt die Intimität der Krippe und die martialische Erscheinung der Wächter in Dialog treten.
Geschichte
Das Werk wurde von der Familie Paumgartner, Nürnberger Patriziern, gestiftet, wohl als Altar für die Katharinenkirche der Stadt. Dürer kehrte von seinem ersten Venedig-Aufenthalt zurück, den Kopf voll von Perspektive und antikischen Körpern. Das Triptychon blieb in Nürnberg bis zum Erwerb durch den bayerischen Kurfürsten im frühen 17. Jahrhundert, was es nach München brachte. Seine materielle Geschichte ist bewegt: prüde Übermalungen kamen im Ancien Régime hinzu, wurden im 20. Jahrhundert entfernt, und der Säureanschlag von 1988 erzwang eine über zwanzigjährige Restaurierung.
Symbole und Geheimnisse
Das bestgehütete Geheimnis liegt in den Flügeln: Georg und Eustachius sind keine anonymen Heiligen, sondern verkappte Bildnisse der Brüder Paumgartner, die sich so als Ritter Christi darstellen lassen. Die knienden Stifter der Mittelszene vervollständigen das Familienporträt. Die Ruinenkulisse ist nicht dekorativ: der Zusammenbruch der heidnischen Architektur kündigt den Umsturz der Welt durch die Geburt des Erlösers an. Die Restaurierung enthüllte zudem, dass Dürer die Stifter zunächst viel kleiner gemalt hatte, in der reinen mittelalterlichen Konvention der Bedeutungsgröße.
Warum dieses Werk zählt
Der Paumgartner-Altar ist eines der ersten großen Zeugnisse der in Deutschland eingebürgerten italienischen Perspektive. Er verdichtet einen Wendepunkt: Dürer wendet seine venezianischen Lehren an, ohne den gotischen Rahmen oder die nördliche Inbrunst aufzugeben. Durch seine verkappten Bildnisse dokumentiert er auch, wie sich das Nürnberger Patriziat in der Frömmigkeit inszenierte. Restauriert und dem Publikum zurückgegeben, bleibt er ein Hauptwerk der Alten Pinakothek und von Dürers Schaffen um 1500.

