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Renaissance-Malerei

Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna

Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna

Ein altes Paar blickt Sie an, und in dem Spiegel, den es emporhält, verwandeln sich die Gesichter in Schädel. „Erkenne dich selbst", sagt die Inschrift. Lukas Furtenagel, Schüler des großen Augsburger Burgkmair, schuf 1529 eines der erschütterndsten Vanitas der deutschen Renaissance: das Leben, ein Spiegelbild, das schon verlischt.

Was man sehen sollte

Das Bild zeigt nebeneinander den Maler Hans Burgkmair d. Ä. und seine Frau Anna, sechsundfünfzig und zweiundfünfzig Jahre alt. Anna hält einen konvexen Spiegel, zum Betrachter gewandt. Doch das Spiegelbild zeigt nicht ihre Gesichter: Es wirft zwei Totenschädel zurück, begleitet von Inschriften. Die beiden Eheleute blicken geradeaus, ernst und würdevoll. Achten Sie auf den ergreifenden Gegensatz zwischen der lebendigen Wirklichkeit des Paares und der düsteren Wahrheit des Spiegels sowie auf die Virtuosität des konvexen Reflexes, eine seltene technische Glanzleistung.

Geschichte

Das Werk wurde 1529 von Lukas Furtenagel (1505 in Augsburg geboren) gemalt, einem Schüler Hans Burgkmairs d. Ä. Das Modell, Burgkmair (1473-1531), war selbst einer der größten Maler Augsburgs, Schöpfer unter anderem des in München bewahrten Johannesaltars. Furtenagel erweist hier seinem alternden Meister und dessen Frau Ehre. Das Bild gehört zu den kaiserlichen Sammlungen der Habsburger und wird heute im Kunsthistorischen Museum Wien bewahrt (Inventar GG 924): Entgegen der Annahme der Arbeitsliste befindet es sich nicht in Deutschland, sondern ist nach Österreich zirkuliert.

Symbole und Geheimnisse

Der Spiegel ist das Herz des Bildes. In der Überlieferung symbolisiert er Wahrheit und Selbsterkenntnis; hier, bis zum Äußersten getrieben, offenbart er die letzte Wahrheit: den Tod. Die Schädel, die er spiegelt, künden das gemeinsame Schicksal des Paares an, während die Inschrift „Erkenne dich selbst" zur Klarsicht auffordert. Diese Umkehrung — der Spiegel, der nicht das Leben, sondern den Tod zeigt — macht das Werk zu einem Vanitas von seltener Kraft. Die Wahl des Ehepaarbildnisses, einer gewöhnlich die Einheit und Nachkommenschaft feiernden Gattung, macht die Meditation umso ergreifender. Zwei Jahre später starb der alte Meister und verlieh dem Bild den Wert eines Vermächtnisses.

Warum dieses Werk zählt

Dieses Doppelbildnis ist einer der Höhepunkte der Vanitas-Gattung in der deutschen Renaissance und das berühmteste Werk Furtenagels. Es verbindet zwei Generationen Augsburger Maler, eines Hauptzentrums der bayerischen Kunst, und ehrt Hans Burgkmair, dessen andere Meisterwerke in München bewahrt werden. Durch sein kühnes reflexives Verfahren kündigt es die Bestrebungen des Manierismus an. In Wien bewahrt, bezeugt es die europäische Zirkulation der großen deutschen Werke und die geistliche Tiefe des Renaissancebildnisses.

Im HitsMap-Rundgang verbindet dieses Doppelbildnis durch die Person Hans Burgkmairs das bayerische Gebiet mit einem in Wien bewahrten Meisterwerk. Man nehme sich Zeit, sein Verfahren zu entziffern: Der Spiegel, Instrument der Wahrheit, wird zum Instrument der Meditation über den Tod. Man bemerke die Kühnheit eines noch jungen Malers, Furtenagels, der es wagt, seinen alternden Meister seinem eigenen Ende gegenüber darzustellen. Das Werk steht in der Ferne im Dialog mit den anderen in München bewahrten Bildern Burgkmairs, besonders dem Johannesaltar, und erlaubt es, zwei Städte, zwei Generationen, zwei Gesichter der Augsburger Kunst zu verbinden. Dem Besucher bietet es eines der reinsten Beispiele des deutschen Vanitas, einer Gattung, die im folgenden Jahrhundert aufblühen wird: eine heitere und unerbittliche Erinnerung daran, dass jedes Bild des Lebens den Schatten des Todes in sich trägt.

Man betrachte schließlich die Genauigkeit des konvexen Reflexes, der die Schädel nach den Gesetzen der Optik leicht verzerrt: Furtenagel begnügt sich nicht mit einem Symbol, er zeigt dessen physische Wahrheit. Dieses Bündnis von Beobachtungswissenschaft und geistlicher Meditation steht im Herzen der deutschen Renaissance. Das Bild war durch seine geringe Größe und seine meditative Ladung dazu gemacht, gehalten, lange betrachtet, bedacht zu werden: ein privates Memento mori, so intim wie universell, dem die Jahrhunderte nichts von seiner Kraft genommen haben.

Siehe auch