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Renaissance-Malerei

Bildnis Herzog Johanns von Sachsen

Bildnis Herzog Johanns von Sachsen

Dieses Bildnis eines Herzogs Johann aus dem Hause Sachsen von Lucas Cranach dem Jüngeren wird in der Staatsgalerie im Schloss Johannisburg zu Aschaffenburg bewahrt (Inv. 13177). Auf Lindenholz gemalt (54,5 × 44,9 cm), gehört es zu der umfangreichen Reihe fürstlicher Bildnisse, mit der die Cranach-Werkstatt das Bild der Wettiner festlegte und verbreitete.

Was man sehen sollte

Der Herzog ist als Brustbild gegeben, leicht gewendet, vor einfarbigem Grund, der die Figur freistellt und alle Aufmerksamkeit auf Gesicht und Gewand lenkt. Die Cranach-Werkstatt hatte eine wirksame Formel entwickelt: wiedererkennbare Züge, glatt aufgetragenes Inkarnat, Strähne für Strähne gearbeitetes Haar und Bart, ein reiches höfisches Kleid von fast heraldischer Genauigkeit. Solche Bildnisse waren keine einmalige Studie nach dem Leben, sondern ein reproduzierbares Muster: Von einem Prototyp aus lieferte die Werkstatt Repliken an Verwandte, Verbündete und Getreue der Dynastie. Der schlichte Grund, der enge Ausschnitt und die verhaltene Frontalität sind Kennzeichen dieser seriellen Porträtkunst, die eher der sofortigen Identifizierung der Person als der Innenschau diente.

Geschichte

Die Herzöge und Kurfürsten der ernestinischen Linie Sachsens waren die ersten Schutzherren Luthers, und die in Wittenberg mitten in ihrem Land ansässige Cranach-Werkstatt wurde zum bildlichen Werkzeug der Dynastie. Die sächsischen Fürsten — Friedrich der Weise, Johann der Beständige, Johann Friedrich der Großmütige — immer wieder zu malen, hieß, das Gesicht der reformatorischen Sache durch das Reich zu verbreiten. Diese heute in Bayern verwahrte Tafel ist ein Glied dieses Bildprogramms; eine zweite Fassung desselben Typus wird im Kunsthistorischen Museum in Wien bewahrt. Sie erinnert daran, dass die deutsche Renaissance auch ein Zeitalter der Bildnisvervielfältigung war, in dem die Werkstatt als wahre Fabrik der Repräsentation im Dienst von Macht und Konfession arbeitete.

Symbole und Geheimnisse

Der einfarbige Grund und der enge Ausschnitt machen das Bildnis mehr zum dynastischen Zeichen als zum intimen Gesicht. Die Tafel trägt weder Inschrift noch Wappen: Die Identität des Modells beruht auf dem Vergleich mit verwandten, Johann nennenden Bildnissen. Zwei Fassungen bestehen, Aschaffenburg und Wien. Vorsicht schließlich beim Datum: Keines ist eingetragen, und das bisweilen genannte „1515“ ist das Geburtsjahr Cranachs des Jüngeren, nicht das des Bildes — eine nützliche Erinnerung, kein unbelegtes Datum einzugravieren.

Warum dieses Werk zählt

Das Werk führt das Wirken einer Werkstatt vor Augen, die das serielle Fürstenbildnis erfand, Instrument der dynastischen und konfessionellen Propaganda der Wettiner. Es verbindet Bayern, wo es heute bewahrt wird, mit dem Sachsen der Reformation und zeigt, wie ein Gesicht zum verbreitbaren Sinnbild werden konnte. Es ist ein Zeugnis aus erster Hand über die Bildkultur des 16. Jahrhunderts und über die Vorsicht, die die Datierung einer wiederholten Produktion verlangt.

Siehe auch