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Renaissance-Malerei

Die sieben Lebensalter des Weibes

Die sieben Lebensalter des Weibes

Im Museum der bildenden Künste in Leipzig vereint eine Lindenholztafel fünf nackte, kaum von Tüchern verhüllte Frauen, von der Kindheit bis ins Alter. 1544 von Hans Baldung, genannt Grien, dem eigenwilligsten Schüler Dürers, gemalt, ist es eine der großen Betrachtungen der deutschen Renaissance über das Verrinnen der Zeit — ein Vanitas ohne Schädel und Skelett, in dem die Körper allein vom Tod sprechen.

Was man sehen sollte

Treten Sie näher: Die Gestalten heben sich von einem dunklen Grund ab, den ein tiefblauer Himmel krönt. Links im Vordergrund ein kleines Kind; in der Mitte Frauen in der Blüte der Jugend, der Körper in durchscheinende Tücher gehüllt, die mehr enthüllen als verbergen; rechts, zurückgenommen im Schatten, die älteste, bleich, beinahe ausgelöscht. Der sehr tief gesetzte Horizont vergrößert die Umrisse und verleiht ihnen eine monumentale Ernsthaftigkeit.

Suchen Sie an den Rändern der Szene den Weinstock und den Feigenbaum: Als Fruchtbarkeitssymbole erinnern sie daran, dass dasselbe Leben, das Früchte trägt, auch vergeht. Das gleichmäßige, sanfte Licht dramatisiert nichts; die von links nach rechts gelesene Folge der Lebensalter trägt den ganzen Sinn.

Geschichte

Hans Baldung (um 1484-1545) arbeitet in Straßburg, dann in Freiburg im Breisgau, nach einer Zeit in Dürers Nürnberger Werkstatt. Sein Leben lang kehrt er zum Thema der Lebensalter und des Todes zurück, das er in mehreren Bildern durchspielt. Das Leipziger Werk, 1544 datiert, ist eines der letzten: ein Jahr vor seinem eigenen Tod liefert der Maler eine beruhigte Fassung, befreit vom erschreckenden Skelett, das er andernorts in Szene setzte.

Die Tafel gelangte in die Sammlungen des im 19. Jahrhundert vom gebildeten Bürgertum der Stadt gegründeten Leipziger Museums. Sie zählt dort heute zu den Meisterwerken der altdeutschen Malerei, neben Werken Cranachs, dessen Zeitgenosse Baldung war.

Symbole und Geheimnisse

Der Titel täuscht: Man spricht von „sieben Lebensaltern", sieht aber keine sieben deutlich getrennten. Einerlei — entscheidend ist die Bewegung vom triumphierenden Fleisch zum Verlöschen. Baldung, Maler von Hexen und Liebesszenen, versteht es wie kein anderer, Schönheit und Ende zu verknüpfen. Indem er den personifizierten Tod weglässt, macht er den Körper selbst zur Uhr: Er ist es, der altert, er ist das Memento mori. Die in den Hintergrund verbannte alte Frau ist kein Ungeheuer; sie ist, was die jungen Schönheiten des Vordergrunds werden, und das Bild verlangt, dass wir den Blick nicht abwenden.

Warum dieses Werk zählt

Weil es zeigt, wie die deutsche Renaissance eine neue Weise erfindet, die Zeit zu denken: nicht mehr durch das Emblem, sondern durch die sinnliche Gegenwart der Körper. Baldung macht die Allegorie zu einer intimen, beinahe stillen Erfahrung. Vor dieser Tafel liest man keine Lehre: Man empfindet sie.

Siehe auch