Lucas Cranach der Jüngere — 1565
Johanniskirche, Dessau. Öl auf Holz (Epitaph).
Kunstgeschichte
Ein Epitaph zum Gedenken an Joachim von Anhalt; dieses Abendmahl überträgt die evangelische Szene in die Gegenwart der Reformation: um Christus, anstelle der Apostel, die protestantischen Theologen (Luther, Melanchthon) und Anhaltiner Fürsten. Es setzt die Formel der großen Wittenberger Altäre fort. Zugleich religiös und dynastisch, bekräftigt es den Anschluss des Fürstentums an die Reformation.
Symbolik
Die Reformatoren an der Stelle der Apostel: Die wahre Kirche setzt sich in der lutherischen Gemeinschaft fort. Die Fürsten an Christi Tisch besiegeln das Bündnis von Thron und Glauben.
Geheimnisse
Der weineinschenkende Mundschenk soll ein Selbstbildnis Cranachs des Jüngeren sein, erkennbar an der geflügelten Schlange seines Siegelrings.
Emotionen
Andächtige, warme Ernsthaftigkeit; erkennbare Gesichter, dichte Farbe, verschworene Gemeinschaft.
Für den Museumsführer
Nicht die Apostel, sondern die Reformatoren (Luther, Melanchthon); der Mundschenk mit der geflügelten Schlange = der Maler; ein fürstliches Epitaph, das Glauben und Macht verbindet.
Anekdote
Christi Tisch wird zum Gruppenbildnis der Reformation.

