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Renaissance-Malerei

Bildnis des Michael Wolgemut

Bildnis des Michael Wolgemut

Ein alter Mann mit eingefallenem Gesicht, freigestellt vor grünem Grund, blickt uns mit noch wachen Augen an. 1516 malt Albrecht Dürer den, der ihn die Malerei lehrte, Michael Wolgemut, damals zweiundachtzig Jahre alt. Nichts als dieses Gesicht: eine Huldigung ohne Beschönigung.

Was man sehen sollte

Das Bildnis ist von äußerster Konzentration: der Kopf allein, als ganz nahes Brustbild, füllt das ganze Feld, vor einheitlich grünem Grund. Dürer mildert keines der Alterszeichen — die tief in den Höhlen liegenden Augen, die hervortretenden Wangenknochen, die tiefen Falten, die schlaffe Haut am Hals. Der Greis trägt einen pelzverbrämten Mantel und eine einfache Kappe oder ein Tuch. Und doch strahlt dieses verbrauchte Gesicht Lebendigkeit aus: der Blick ist aufmerksam, fast fragend. Am oberen Rand der Tafel läuft eine lange Inschrift von Dürers Hand.

Geschichte

Michael Wolgemut leitete die bedeutendste Mal- und Grafikwerkstatt Nürnbergs im späten 15. Jahrhundert. Bei ihm trat der junge Dürer von 1486 bis 1489 in die Lehre, um die Künste des Zeichnens, Malens und Holzschnitts zu lernen. Als berühmtester Künstler Deutschlands malte Dürer seinen alten Meister 1516, drei Jahre vor dessen Tod. Das Bild wird heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg bewahrt, in der Stadt, in der beide Männer lebten und arbeiteten.

Symbole und Geheimnisse

Das Geheimnis der Tafel liegt in ihrer Inschrift. Dürer vermerkte zuerst, das Bildnis sei 1516 nach seinem Meister Wolgemut gemacht worden; dann, nach dessen Tod 1519, ergänzte er die Notiz um das Alter des Modells und den genauen Zeitpunkt seines Sterbens, den Morgen des Andreastags vor Tagesanbruch. Diese doppelte Angabe verwandelt das Bild in ein Dokument: es verzeichnet eine Abstammung, einen Abschied und das scharfe Bewusstsein, das Dürer von der Geschichte seiner Kunst hatte. Der unerbittliche Realismus des Gesichts ist keine Grausamkeit: er ist eine Form der Treue.

Warum dieses Werk zählt

Das Bildnis des Michael Wolgemut ist zugleich ein Meisterwerk des Altersporträts und ein einzigartiges Zeugnis über die Weitergabe des Künstlerhandwerks. Wenige Werke sprechen so klar die Dankbarkeit eines Schülers gegenüber seinem Meister aus und den Platz, den Dürer seiner eigenen Herkunft in der Geschichte zumaß. Durch seinen kompromisslosen Realismus gehört es der großen deutschen Linie des wahrhaftigen Bildnisses an; durch seine Inschrift schenkt es den Historikern ein Datum und ein Gesicht. Es bleibt einer der Schätze des Germanischen Nationalmuseums.

Siehe auch