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Renaissance-Malerei

Bildnis eines jungen Mannes

Bildnis eines jungen Mannes

Ein junges Gesicht mit langem Haar, auf dem dunklen Grund mit 1500 datiert, blickt uns ohne ein Wort und ohne ein Attribut an. Im selben Jahr wie das berühmte Selbstbildnis gemalt, zeigt dieses anonyme Porträt Dürer auf dem Gipfel seiner Gesichtskunst.

Was man sehen sollte

Das Modell ist als Brustbild, im Dreiviertelprofil, vor einem einheitlichen dunklen Grund gefasst, der keinen Hinweis auf einen Ort gibt. Das lange, gewellte Haar entweicht einer Kappe und fängt das Licht: Dürer entfaltet darin seine Lieblingsvirtuosität und malt die Strähne Faden für Faden. Das junge, glatte Gesicht ist mit gleicher Sorgfalt in Hautton und Modellierung wiedergegeben. Kein Gegenstand, kein Wappen, keine biografische Inschrift: nur die Jahreszahl 1500 erscheint im Bildfeld. Alles ist darauf angelegt, dass der Blick an der Person hängenbleibt, und nur an ihr.

Geschichte

Die Identität des jungen Mannes bleibt unbekannt. Man hat vermutet, es könne sich um einen Vertrauten Dürers oder ein Mitglied seines Nürnberger Kreises handeln, doch ohne Beweis; die Tafel gilt daher als Bildnis eines nicht identifizierten Modells. Die eingeschriebene Jahreszahl setzt es auf 1500, das entscheidende Jahr, in dem Dürer auch sein frontales Selbstbildnis malt. Die Tafel gelangte in die bayerischen Sammlungen und steht heute in der Alten Pinakothek unter dem Namen des Künstlers, mit einer Inventarnummer der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Symbole und Geheimnisse

Das dokumentarische Schweigen ist hier ein Datum des Bildes, kein Mangel: indem Dürer auf Attribute verzichtet, macht er das Gesicht zur einzigen Botschaft. Diese Sparsamkeit rückt das Werk in die Nähe des humanistischen Denkens, dem der Mensch mehr durch seine Innerlichkeit als durch seine Embleme gilt. Die Jahreszahl 1500, diskret, aber präsent, wirkt wie ein Siegel: sie verbindet dieses Bildnis mit der großen Meditation des Künstlers über das Selbstbild im selben Jahr. Die Behandlung des Haares schließlich bildet eine Art technische Signatur, unverkennbar.

Warum dieses Werk zählt

Dieses Bildnis veranschaulicht Dürers Meisterschaft in der nunmehr autonomen Gattung des Individualporträts. Befreit vom devotionalen und heraldischen Rahmen, der anderswo noch vorhanden ist, bündelt es alles Interesse auf ein für sich selbst erfasstes menschliches Gesicht. Als genauer Zeitgenosse des Münchner Selbstbildnisses gehört es dem höchsten Moment der deutschen Porträtkunst um 1500 an, und seine Gegenwart in der Alten Pinakothek macht es zu einem Markstein des Dürer-Saals.

Siehe auch