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Renaissance-Malerei

Bildnis des Jakob Fugger des Reichen

Bildnis des Jakob Fugger des Reichen

Ein Mann mit brauner Kappe, ohne Gold oder Schmuck, fixiert die Welt mit schwerem Blick. Es ist das Gesicht Jakob Fuggers, Bankier der Kaiser und wohl reichster Mann Europas. Dürer malt ihn um 1518-1520 mit einer Nüchternheit, die besser als aller Prunk die Autorität des Geldes ausdrückt.

Was man sehen sollte

Das Bildnis fasst Fugger als Brustbild, im Dreiviertelprofil, vor hellem, nacktem Grund. Die Kleidung ist von berechneter Strenge: ein dunkles Gewand, eine braune Kappe, keine Kette, kein prunkvoller Ring. Alles spielt sich im Gesicht ab — die schweren Lider, die kräftige Nase, der schmale, feste Mund — und im schrägen, aufmerksamen Blick, der sein Gegenüber zu wägen scheint. Das bewusste Fehlen jedes Reichtumsattributs trifft umso mehr, als man weiß, mit wem man es zu tun hat. Der leichte Auftrag verrät die Tüchlein-Technik: Leimfarbe auf feiner Leinwand, ohne schwere Grundierung.

Geschichte

Jakob Fugger, „der Reiche" genannt, lenkte von Augsburg aus ein Handels- und Bankimperium, das den Habsburgern Kredit gab. 1519 sicherten seine Mittel die Wahl Karls V. zum Kaiser. Dürer hielt sich 1518 anlässlich des Augsburger Reichstags in der Stadt auf, wo er dem Financier nahekommen konnte; das Bildnis wurde wohl damals begonnen und kurz darauf vollendet. Das Werk wird in Augsburg selbst bewahrt, in der im Schaezlerpalais untergebrachten Staatsgalerie, die zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehört — es blieb also in der Stadt des Modells.

Symbole und Geheimnisse

Das Geheimnis des Bildes ist seine Kargheit. Fugger hätte sich mit Gold bedeckt zeigen können; er wählte, sich als nüchterner Patrizier malen zu lassen. Diese Wahl spricht eine Moral der Macht: wahre Macht braucht sich nicht zu zeigen. Die sparsame und fragile Tüchlein-Technik fügt ein Paradox hinzu — der reichste Mann Europas, mit einem bescheidenen Verfahren verewigt. Hinter dem Bild ist der Mann zu denken, der Kaiser finanzierte, die Kupfer- und Silberbergwerke Mitteleuropas ausbeutete und in Augsburg die Fuggerei gründete, eine Wohnsiedlung für die Armen.

Warum dieses Werk zählt

Dieses Bildnis ist die Begegnung zweier Gipfel der deutschen Renaissance: Dürer und Fugger, Kunst und Geld. Es dokumentiert die Rolle Augsburgs als Finanzhauptstadt des Heiligen Römischen Reiches und die Art, wie sich das Großkapital ein Bild der Nüchternheit gibt. Als Spätwerk Dürers von eindrucksvoller Sparsamkeit der Mittel bleibt es eines der historisch aufgeladensten Bildnisse der Zeit und ein Glanzstück der Augsburger Sammlungen.

Siehe auch