HitsMap

Renaissance-Malerei

Bildnis des Bernhard von Reesen

Bildnis des Bernhard von Reesen

In der Gemäldegalerie Alte Meister zu Dresden zeigt Albrecht Dürers Bildnis des Bernhard von Reesen, datiert 1521, einen Mann mit Barett, der einen Brief hält, vor einem satten roten Grund. Es wurde während der Niederlandereise des Meisters gemalt, und das Modell starb im selben Jahr seiner Ausführung: ein Bild voller Leben, an der Schwelle des Todes eingefangen.

Was man sehen sollte

Die Tafel kleinen Formats (etwa 46 × 32 cm, Öl auf Holz) bündelt die ganze Aufmerksamkeit auf Gesicht und Hände. Bernhard von Reesen trägt ein Barett und hält ein Blatt Papier — einen Brief —, ein Attribut, das seine kaufmännische Tätigkeit und seinen Bezug zum Schriftlichen anzeigt. Der einfarbige rote Grund ohne Dekor stößt die Figur zum Betrachter vor und hebt die Modellierung des Gesichts, die Textur des Pelzes und die Lebendigkeit des Blicks hervor. Hier misst man Dürers Bildniskunst in voller Reife: Sparsamkeit der Mittel, psychologische Genauigkeit, Sinn für Gegenwart. Das Fehlen jedes überflüssigen Beiwerks zwingt den Blick auf den Mann selbst, seine Hautfarbe, seine Augen, seine das Papier haltende Hand. Nichts lenkt ab: Es ist ein Angesicht zu Angesicht.

Geschichte

Bernhard von Reesen (1491-1521) war ein wohlhabender Kaufmann, in einer Patrizierfamilie der Hansestadt Danzig (Gdańsk) geboren. Dürer porträtierte ihn 1521, während seiner berühmten Niederlandereise, von der der Maler ein kostbares Tagebuch hinterließ, eine Fundgrube über seinen Alltag, seine Ausgaben und Begegnungen. Bemerkenswert ist, dass von Reesen im Oktober 1521 starb, im selben Jahr der Entstehung seines Bildnisses, wohl von der Pest dahingerafft: So gewinnt das Bild den Wert eines letzten Zeugnisses. Später in die sächsischen Kurfürstensammlungen gelangt, ist das Werk heute einer der drei bedeutenden Dürer in Dresden, neben dem Dresdner Altar und dem Christus am Kreuz der Sieben Schmerzen. Sein Weg — von Danzig in die Niederlande, dann nach Dresden — zeichnet für sich allein eine Karte des kaufmännischen und künstlerischen Europa der Renaissance.

Symbole und Geheimnisse

Das Symbol liegt ganz im Brief: Er macht das Modell zum Mann der Schrift, des Handels, des Kredits, Säulen der hansischen Welt. Der rote Grund ist kein Dekor, sondern ein Parti: Er isoliert den Mann, entzieht ihn Zeit und Raum und gibt ihn unserem Blick als nackte Gegenwart preis. Das Geheimnis schließlich ist düster. Dieses Bildnis eines Mannes in den besten Jahren ist in Wahrheit ein fast postumes Bild: Von Reesen stirbt wenige Monate nach der Sitzung. Dürer hat, vielleicht ohne es zu wissen, ein Gesicht am Rande des Abgrunds festgehalten, und diese Ironie des Schicksals verleiht dem Bild seinen stillen Ernst. Das Werk erinnert auch daran, wie sehr die Pest die Renaissance heimsuchte und selbst wohlhabende Kaufleute dahinraffte.

Warum dieses Werk zählt

Dieses Bildnis zeigt in einem einzigen Rahmen die Zirkulation von Menschen und Talenten im Europa der Renaissance: ein Nürnberger, der in den Niederlanden einen Kaufmann von der Ostsee malt, dessen Bild heute in Sachsen ruht. Es zeigt Dürer als Porträtisten auf seinem Gipfel, fähig, allein mit den Mitteln der Malerei eine Gegenwart zu geben, die den Jahrhunderten trotzt. Für den Atlas ergänzt es das Trio der Dresdner Dürer und eröffnet, neben den großen religiösen Themen, das Kapitel des Porträts, einer Gattung, in der die nordische Renaissance glänzte. Vor diesem roten, lebendigen Gesicht berührt man das Beunruhigendste, was die Malerei vermag: einen Augenblick des Lebens dem Nichts zu entreißen und ihn uns, unversehrt, fünfhundert Jahre später hinzuhalten.

Siehe auch