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Renaissance-Malerei

Kardinal Albrecht von Brandenburg vor dem gekreuzigten Christus

Kardinal Albrecht von Brandenburg vor dem gekreuzigten Christus

Ein Kirchenfürst auf den Knien, versunken im Rot seines Purpurs, vor einem gekreuzigten Christus, den er im Geiste schaut. Cranach d. Ä. malt hier die innige Andacht eben jenes Mannes, dessen Ablässe die Reformation entzünden sollten. Zwischen Prunk und Reue trägt das Bild die ganze Ambivalenz seiner Zeit.

Was man sehen sollte

Die hochformatige Tafel beherrscht eine große rote Masse: das Kardinalsgewand Albrechts und das Kissen, auf dem er kniet. Links der betende Kardinal mit gefalteten Händen im Dreiviertelprofil, den Blick auf das rechts auf einem Hügel errichtete Kruzifix gerichtet. Christus, ein bleicher, geschundener Körper, hebt sich gegen einen dunklen Himmel und eine sich entfernende Landschaft ab. Cranach führt die Gesichtszüge, die feinen Hände und die prächtigen Stofffalten genau aus. Der Gegensatz zwischen der leuchtenden Farbe des Prälaten und dem leidenden Fleisch des Erlösers gliedert die ganze Komposition.

Geschichte

Albrecht von Brandenburg (1490-1545) war Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Erzbischof von Magdeburg und Kardinal — eine Ämterhäufung, die teure Dispense verlangte. Um sie zu finanzieren, erlaubte er den Ablasshandel, dessen Erlös teils dem Bau von St. Peter in Rom diente. Gegen diese Praxis veröffentlichte Martin Luther 1517 seine 95 Thesen, den Gründungsakt der Reformation. Als großer Mäzen beauftragte Albrecht sowohl Cranach als auch Grünewald mit Hauptwerken. Dieses Bild stammt aus der Stiftskirche Aschaffenburg, einer seiner Residenzen, und kam 1829 in die bayerischen Sammlungen. Heute zählt es zu den Glanzstücken der Alten Pinakothek.

Symbole und Geheimnisse

Zentral ist das „Visions"-Prinzip: Das Kruzifix ist kein realer Gegenstand vor dem Kardinal, sondern das geistige Bild, das sein Gebet hervorbringt und das zugleich dem Betrachter gezeigt wird. Diese Konstruktion lädt den Gläubigen zu innerer Andacht ein, allein durch die Betrachtung des Kreuzes — ein Thema, das merkwürdig mit den Heilsdebatten der Zeit zusammenklingt. Das allgegenwärtige Rot verbindet die Würde des Kardinalats mit dem Blut der Passion. Dass Cranach, Luthers Hofmaler, dieses Bild für den Hauptgegner des Reformators schuf, erinnert daran, dass die Werkstatt als Profi alle Aufträge bediente.

Warum dieses Werk zählt

Selten verdichtet ein Bild die Spannungen eines historischen Augenblicks so sehr. In einer einzigen Darstellung erscheinen der Prunk der spätmittelalterlichen Kirche, die persönliche Inbrunst eines Prälaten und die Hand des Künstlers, der seinen Pinsel bald in den Dienst der Gegenseite stellen wird. Das Werk dokumentiert das Mäzenatentum Albrechts von Brandenburg, unerlässlich zum Verständnis der Bildkultur des Reichs am Vorabend der konfessionellen Spaltung, und bietet einen Höhepunkt des Koloristen Cranach.

Im Rundgang der Alten Pinakothek liest sich diese Tafel idealerweise im Blick auf Grünewalds „Erasmus und Mauritius", den anderen großen Auftrag Albrechts im selben Museum: Beide Werke, aus demselben Mäzenatenwillen geboren, umrahmen die Gestalt eines Prälaten, der zugleich einer der prächtigsten und einer der umstrittensten seiner Zeit war. Der Kunsthistoriker misst hier die Fähigkeit der Cranach-Werkstatt, ohne Qualitätsbruch vom Dienst der Reformation zu dem ihrer Gegner überzugehen. Der Gläubige wiederum findet ein noch heute lesbares Gebetsmodell: die Betrachtung des Kreuzes als innerer Weg. Wenige Bilder sagen so knapp die religiöse Komplexität des Deutschlands der 1520er Jahre aus.

Ein letztes Detail verdient Aufmerksamkeit: der Platz der Landschaft, reduziert, aber präsent, die die Vision in einer erkennbaren irdischen Welt verortet. Diese Verbindung von Diesseits und Jenseits ist typisch für die Frömmigkeit des frühen 16. Jahrhunderts, in der der Gläubige sich die heiligen Szenen konkret vorstellen sollte. Die Tafel war durch ihre eindrucksvollen Maße dazu bestimmt, einen Gebetsraum zu beherrschen, und erinnerte jeden daran, dass das Heil über den zum Kreuz gewandten Blick führt. In dieser Verbindung von höfischem Prunk und innerer Frömmigkeit liegt das ganze Gewicht eines Bildes, das die zerrissene Religiosität seiner Epoche in einer einzigen, eindringlichen Gestalt bündelt.

Siehe auch