Im Norden Thüringens, am Rand des Harzes, verdankt Schloss Großbodungen seine Renaissancegestalt der Familie von Berlepsch, die es im 16. Jahrhundert erwarb. Die großen Erweiterungen von 1575 bis 1585 machten aus der alten Feste eine Vierflügelanlage, deren Charakter den Bau noch prägt.
Was zu sehen ist
Das Schloss gliedert sich in einen dreigeschossigen Vierflügelkomplex, teils in Fachwerk, um einen zentralen Hof angeordnet und von einem siebenundzwanzig Meter hohen Wartturm überragt. Die Verwendung des Fachwerks für die Obergeschosse über einem gemauerten Sockel ist kennzeichnend für die Renaissance Mitteldeutschlands, wo das verzierte Fachwerk neben dem bildhauerischen Stein bestand. Ein tonnengewölbter Keller und ein älteres, auf 1329 datiertes Zierportal erinnern an das Alter des Ortes. Die von Berlepsch gaben dem Schloss zwischen 1575 und 1585 seine heutige Weite und seinen Renaissancecharakter. Seit 2021 erhalten die Eigentümer den Ort als Kulturraum für Ausstellungen, Veranstaltungen und Beherbergung. Für den Atlas gilt Großbodungen als Beispiel des Sitzes des thüringischen Landadels, in dem sich die Renaissancesprache ebenso im Fachwerk wie im Stein ausdrückt.
Geschichte
Die belegte Geschichte des Ortes beginnt am 21. Januar 1461, als Herzog Wilhelm III. von Sachsen den Platz den Grafen von Hohnstein, Schwarzburg und Stolberg verlieh; eine ältere Befestigung bestand schon im 11. Jahrhundert unter der Familie von Bodungen. Die Familie von Berlepsch spielte die entscheidende architektonische Rolle: Hans Sittich von Berlepsch, Vater von Hans Christoph, war dafür berühmt, Martin Luther auf der Wartburg beherbergt zu haben — eine Verbindung, die dieses Schloss mit einem der großen Ereignisse der Reformation verknüpft. Seine Nachfahren brachten das Schloss in den Jahren 1575-1585 zu seiner Renaissanceweite. So zeigt Großbodungen, wie eine mit der Reformationsgeschichte verbundene Adelsfamilie im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts ihren Rang in einen Vierflügelbau aus Stein und Fachwerk übersetzte.

