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Renaissance in Deutschland

Fürstliches Residenzschloss Detmold

Detmold

Fürstliches Residenzschloss Detmold

Treten Sie in den Hof von Schloss Detmold und blicken Sie empor: Renaissance-Galerien mit geschweiften Giebeln umfangen einen Raum, den das Haus Lippe seit fast fünf Jahrhunderten bewohnt, Geschlecht um Geschlecht. Hier ist der Stein kein Museum, sondern ein nie unterbrochener Wohnsitz. Erbstreit und Reformation sind vergangen; die Linie aber ist geblieben.

Was man sehen sollte

Das Schloss ist eine Vierflügelanlage, vier um einen Innenhof geschlossene Flügel — und dieser Hof will zuerst betrachtet werden. Dort staffeln sich die um 1550 errichteten Renaissancegalerien mit ihren Arkaden, geschweiften Giebeln und steinernen Zierformen: die neue Mode aus Italien, gelesen von den Steinmetzen der Weser. An den Ecken gliedern Treppentürmchen die Masse und verraten den befestigten Ursprung, denn Detmold war zuerst eine Festung, ehe es ein Palast wurde.

Von außen zeigt das Schloss Fassaden mehrerer Epochen: Man liest im Vorübergehen das lange Leben einer nie erstarrten Residenz. Im Inneren — teils der Besichtigung geöffnet, da die Familie ihre Privaträume weiter bewohnt — folgen Prunksäle mehrerer Jahrhunderte: ein Salon mit mythologischen Gemälden, Räume mit Tapisserien zu Alexander dem Großen, eine Bibliothek. Diese Ausstattungen gehören großteils dem Barock und späteren Zeiten an; doch das Gerüst, der Hof und seine Galerien künden vom Ehrgeiz eines Renaissancegrafen, der in Detmold eine seinem Rang gemäße Wohnstatt wollte.

Geschichte

Am Anfang stand ein Wirtschaftshof des Paderborner Bischofs, früh erwähnt, dann eine 1366 bezeugte Festung. 1468 macht Graf Bernhard VII. zur Lippe sie zur ständigen Residenz. Die entscheidende Wandlung aber kommt um die Mitte des 16. Jahrhunderts: Um 1549-1553 errichtet der Werkmeister Jörg Unkair, einer der Schöpfer der Weserrenaissance, die Galerien und Flügel im neuen Stil; den Torbau vollendet Cord Tönnis. Detmold reiht sich damit in die großen Bauten der Region ein, neben Schloss Neuhaus und Stadthagen, wo Unkair die geschweiften Giebel und das Renaissanceornament eingeführt hatte.

Die folgenden Jahrhunderte bringen ihre Überarbeitungen — Hermann Arndt 1673, dann Lorenz Gedon 1882 — ohne je den Kern des 16. Jahrhunderts zu tilgen. Vor allem erlebt das Schloss eine seltene Geschichte: Es hat seine Familie nie verlassen. Die Grafen zur Lippe, 1789 Reichsfürsten geworden, haben hier von Generation zu Generation residiert, und ihre Nachkommen bewohnen es noch. Diese Kontinuität macht Detmold zum Sonderfall: kein Museum, sondern ein lebendiges Haus, in dem die Vergangenheit nicht eingefroren, sondern bewohnt wurde.

Als kleiner Staat zwischen mächtigen Nachbarn zog die Grafschaft Lippe ihren Stolz aus ihrer dynastischen Dauer mehr als aus ihrer Größe. Die Reformation drang im 16. Jahrhundert ein; Teilungen und Erbstreitigkeiten zwischen den Linien bestimmten die Politik. In diesem Rahmen hieß eine moderne, italienisch verzierte Residenz zu bauen: zu behaupten, dass auch ein kleiner Graf Hof halten konnte. Das Schloss Detmold ist das Gesicht dieses zähen Ehrgeizes.

Symbole und Geheimnisse

Der Galeriehof ist eine Bühne: Man tritt ein, zeigt sich, inszeniert den Rang. Mit der Wahl Jörg Unkairs leisteten sich die Lipper die modernste Sprache ihrer Zeit — eben jene, die von der Weser bis zur Leine alle Höfe des Nordwestens eroberte. Die Treppentürmchen wahren die Erinnerung an die Festung: Der Palast verleugnete die Burg nicht, er kleidete sie ein. Und die Dauer der Familie gibt dem Ort einen seltenen Sinn: Hier ist die Renaissance keine besuchte Ruine, sondern eine Schicht unter anderen eines stets lebendigen Hauses.

Warum dieser Ort zählt

Weil Detmold die Weserrenaissance in einer fürstlichen Residenz am Werk zeigt, und weil es sie lebendig zeigt. Wenige Renaissanceschlösser Deutschlands sind in den Händen ihrer Erbauer geblieben; dieses ist es. Es ist zugleich ein Markstein des Stils — durch Unkair, seinen Pionier — und ein Zeuge der Kontinuität einer Dynastie, die aus bescheidenen Grafen Fürsten machte, ohne je ihr Haus zu verlassen.

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