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Renaissance in Deutschland

Das Rathaus Lemgo

Lemgo

Das Rathaus Lemgo

Am Markt von Lemgo hat der Rat der Stadt sein Rathaus zum Manifest seiner Freiheit gemacht: Arkaden, vielfache Giebel und die Ratslaube von 1565, jener „Inkunabel der Weserrenaissance" vor dem Portal. Als autonome Hansestadt zeigt Lemgo hier ihre Souveränität — und zwischen diesen Mauern entschieden sich auch ihre düsteren Hexenprozesse. Die Fassade aber spricht nur von Stolz.

Was man sehen sollte

Das Rathaus ist kein Block, sondern eine Folge: mehrere aneinandergefügte Baukörper, jeder mit seinem Giebel, seiner Auslucht, seinem Datum. Diese Häufung macht seine Pracht aus. Halten Sie zuerst vor der Ratslaube, 1565 vom Werkmeister Hermann Wulff auf der Nordseite zur Mittelstraße hin errichtet: Sie gab dem Eingang der Ratsherren einen ihrem Rang würdigen Rahmen. Daneben vervollständigen die Kornherrenstube (1589) und die Neue Ratsstube (1589) das Renaissance-Ensemble.

Das berühmteste Stück ist die Apothekenauslucht (Apothekenerker): ein verglaster, geschnitzter Vorbau, mit Ornamenten bedeckt, der zu den „Inkunabeln" der Weserrenaissance zählt. Betrachten Sie dort die Fassadendetails: Symbole der städtischen Souveränität, Figuren, Ranken, jeder Stein verkündet, dass Lemgo sich selbst regiert. Das Ganze verbindet die Gotik der alten Markthalle mit den Renaissance-Zutaten, und dieser Dialog der Epochen macht den Charakter des Monuments aus. Am Platz bildet die Folge der Giebel eines der schönsten Stadtbilder der Region.

Geschichte

Am Anfang eine gotische Markthalle, mitten im Mittelalter in der Hansestadt Lemgo entstanden und bald zum Rathaus umgebaut. Die großen Renaissance-Kampagnen fallen in die Blütezeit der Stadt: 1565 errichtet Hermann Wulff die Ratslaube; 1589 kommen Kornherrenstube und Neue Ratsstube hinzu; die Apothekenauslucht folgt. Die verzierten Fassaden der Ratslaube und des Apothekenerkers nehmen einen besonderen Rang in der regionalen Weserrenaissance ein: Es sind Symbolbauten der städtischen Souveränität.

Lemgo, freie Stadt innerhalb der Grafschaft Lippe, hielt an seiner Autonomie fest. Das Rathaus war ihr Herz: Hier versammelte sich der Rat, hier sprach man Recht, hier verwaltete man die Stadt. Doch diese Mauern kannten auch den Schatten: Hier wurden die Urteile der Hexenprozesse gefällt, einer der längsten und mörderischsten Verfolgungen des Reiches, die Lemgo im 16. und 17. Jahrhundert traf. Der Stolz des Steins und das Grauen der Scheiterhaufen wohnen beisammen in der Erinnerung des Ortes.

Zur selben Zeit widerstand das lutherisch gebliebene Lemgo seinem Grafen Simon VI. zur Lippe, der 1605 zum Calvinismus übergetreten war: Das Rathaus war die Bastion dieser konfessionellen und politischen Autonomie. Das Monument hat die Jahrhunderte durchquert, ohne seine Physiognomie zu verlieren; es bleibt heute Sitz der Stadtverwaltung und eines der bewundertsten Renaissance-Rathäuser Deutschlands.

Symbole und Geheimnisse

Die Ratslaube und die Apothekenauslucht sind keine bloßen Zierformen: Sie sind Erklärungen. Indem Lemgo sein Rathaus mit geschnitzten Giebeln und Souveränitätssymbolen bedeckte, sagte es, dass es sich allein regierte, dass es die Mittel und den Geschmack einer großen Stadt besaß. Die Häufung der Baukörper und Daten erzählt eine Geschichte des Wohlstands: Jede Generation fügte ihren Stein hinzu. Doch der Ort wahrt auch ein dunkleres Geheimnis — die Erinnerung an die hier gefällten Prozesse: Die Schönheit des Monuments tilgt nicht, was seine Säle entschieden.

Warum dieser Ort zählt

Weil das Rathaus Lemgo eines der Meisterwerke der bürgerlichen Weserrenaissance ist, und eines der vollständigsten. Seine verzierten Fassaden, seine Ratslaube von 1565, seine Apothekenauslucht machen es zu einem steinernen Lehrbuch des Stils. Und weil es besser als jedes andere den Stolz einer freien Hansestadt verkörpert — mit ihrer Größe und ihren Schatten.

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