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Renaissance in Deutschland

Das Rathaus Münden

Hann. Münden

Das Rathaus Münden

Wo Fulda und Werra sich zur Weser vereinen, lebte Hann. Münden vom Flößholz und vom Umschlag. Sein Rathaus erhält von 1603 bis 1618 unter Georg Crossmann eine Weserrenaissance-Fassade mit großem, reich verziertem Giebel, ein Manifest des Flusswohlstands. Man hebt den Blick zu diesem steinernen Giebel wie zum Zeichen einer Stadt, die einen Schlüssel der Flüsse hielt.

Was man sehen sollte

Die dem Markt zugewandte Nordfassade ist durch Zwerchhäuser in drei Achsen gegliedert. Ihr Meisterstück ist das Eingangsportal: ein Ensemble von seltenem Reichtum und seltener Farbigkeit, in dem sich Reliefs, Figuren und Ornamente drängen, vorgelagert ein Freitreppe und ein auskragender Altan. Hier bündelt sich die ganze Kunst Georg Crossmanns, Bildhauer wie Baumeister.

An der Westseite birgt eine zweigeschossige, dekorativ gestaltete Utlucht die Ratsstube und belebt den Baukörper. Im Inneren bleiben die alten Schichten erhalten: ein gotischer Saal im Erdgeschoss (das Koph-Hus) und darüber ein großer Saal. Auf dem Platz gliedert ein Glockenspiel den Tag und stellt Doktor Eisenbarth dar, den hier im 18. Jahrhundert verstorbenen Wanderarzt, zum klingenden Wahrzeichen der Stadt geworden.

Geschichte

Ein Steinbau besteht an dieser Stelle schon um 1200; im 14. Jahrhundert fügt man ihm einen gotischen Saal hinzu. Die Stadt, die das Stapelrecht am Flussverkehr besitzt, gedeiht durch den Handel am Zusammenfluss. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts beschließt der Rat, sein Rathaus zu erneuern, und überträgt die Bauleitung von 1603 bis 1618 dem Werkmeister Georg Crossmann aus Lemgo, einer Hochburg der Weserrenaissance. Indem er den alten rechteckigen Körper einbezieht, schafft Crossmann einen nahezu quadratischen Baukörper mit seiner spektakulären Nordfassade.

Münden gilt als sein bedeutendstes Werk. Das Gebäude diente ununterbrochen als Sitz des Rates und später der Stadtverwaltung; es hat die Jahrhunderte und Kriege im Herzen einer außergewöhnlich geschlossen erhaltenen Altstadt überdauert. Die Innenausstattung wurde später ergänzt — etwa durch Wandmalereien des 20. Jahrhunderts zur Stadtgeschichte —, doch die Renaissancesubstanz, jene der Fassade und des Portals, bleibt das Wesentliche.

Symbole und Geheimnisse

Das Portal von Münden ist ein Blatt bürgerlicher Selbstdarstellung. Seine Farbigkeit, seine Figuren, sein Überfluss zeugen vom Stolz einer kleinen Stadt, die ihre Macht nicht einem Fürsten verdankt, sondern ihrer geografischen Lage und ihrem Stapelrecht. Einen Meister aus Lemgo zu berufen heißt, sich in das Netz der Weserstädte einzuschreiben, die von Hameln bis Lemgo mit prächtigen Fassaden wetteifern: Die Weserrenaissance ist eine gemeinsame Sprache, für jede Stadt ein Mittel, ihren Rang zu behaupten. Die vorkragende Utlucht, welche die Ratsstube hervorhebt, macht den Ort der städtischen Macht sichtbar. Das spätere Glockenspiel zeigt, wie eine Stadt sich selbst durch Legende und Klang erzählt.

Warum dieser Ort zählt

Weil das Rathaus Hann. Münden einer der Höhepunkte der bürgerlichen Weserrenaissance und das Hauptwerk Georg Crossmanns ist. Es verkörpert den Wohlstand der Stapelstädte an der Weser um 1600, kurz bevor der Dreißigjährige Krieg alles erschüttert. In einer unversehrt gebliebenen Altstadt bieten seine Fassade und sein Portal das lebendigste Bild dessen, was der bürgerliche Stolz Norddeutschlands in der Renaissance war.

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