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Renaissance in Deutschland

Kaufmannskirche St. Gregorius (Erfurt)

Erfurt

Kaufmannskirche St. Gregorius (Erfurt)

Warum ist die Erfurter Kaufmannskirche eine Anthologie der thüringischen Renaissance? Weil ihr gotischer Chor vierzig Jahre Arbeit der Fridemann-Werkstatt vereint — Epitaphe, Kanzel von 1598, Taufstein von 1608, Altar von 1625 —, und weil Martin Luther hier schon 1522 über die Ziele der Reformation predigte.

Was zu sehen ist

Der Chor ist ein wahres Museum der örtlichen Renaissance. Man verfolgt hier über vierzig Jahre die Produktion der Erfurter Steinmetz- und Bildschnitzerwerkstatt der Fridemann — Hans Fridemann der Ältere (gestorben vor 1605) und Hans Fridemann der Jüngere (gestorben um 1628): Epitaphe, eine Kanzel von 1598, ein Taufstein von 1608 und ein großer Altar von 1625. Dieser „Erfurter Reformationsaltar" entfaltet auf neun Holztafeln neun Szenen aus dem Leben Christi, ein bildliches Manifest des lutherischen Glaubens in Mitteldeutschland. Bemerkenswert: Acht gemalte Tafeln, die er einbindet, sind Reste eines Retabels der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus der Cranach-Werkstatt: Der Altar von 1625 verwendet so ältere Bilder wieder und verbindet zwei Generationen reformierter Kunst. Das Ganze — Kanzel, Taufe, Epitaphe, Altar — macht diesen Chor zu einem der geschlossensten Renaissance-Innenräume Thüringens.

Geschichte

Die dem heiligen Gregor geweihte Kaufmannskirche war die Kirche der Erfurter Kaufmannsgemeinde am Anger, dem Handelsherzen der Stadt. Erfurt, große Waidstadt und Sitz einer angesehenen Universität, an der Luther studiert hatte, nahm im 16. Jahrhundert die Reformation an, und in dieser Kirche predigte Luther am 22. Oktober 1522 über die Ziele der Bewegung. Die lange Ausstattung des Chors durch die Fridemann-Werkstatt, von 1598 bis 1625, entspricht der folgenden Generation, der der Festigung des Luthertums: Kanzel für die Predigt, Taufstein für die Taufe, Altar für das Abendmahl, alles mit einem klaren christologischen Programm geschmückt. Die Wiederverwendung der Cranach-Tafeln im Altar von 1625 zeugt vom Respekt für das Bilderbe der frühen Reformation. Für den Atlas ist die Kaufmannskirche ein beispielhafter Fall der Region: kein isoliertes Werk, sondern ein über vier Jahrzehnte von einer Handwerkerdynastie geschaffenes Mobiliar, das an einem einzigen Ort die Reife der thüringischen Renaissance im Dienst des protestantischen Gottesdienstes zeigt.

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