Im Herzen Erfurts verdankt das Haus zum Sonneborn seinen Namen einer einst benachbarten Quelle („Sonneborn"). Es ist ein Renaissance-Bürgerhaus, dessen prächtiges Portal die Jahreszahl 1536 trägt. Lange vom Abriss bedroht, wurde es gerettet und beherbergt heute das Standesamt der Stadt.
Was zu sehen ist
Das Renaissanceportal von 1536 ist das Hauptstück: reich gerahmt, hat es die Jahrhunderte zusammen mit einem Teil des Fachwerks überdauert. Daneben haben sich zwei allegorische Sgraffiti erhalten, die Schönheit (oder Eitelkeit) und Gerechtigkeit darstellen — eine in den Putz geritzte Dekortechnik, typisch für die Renaissance. Im Inneren verbirgt sich eine Bohlenstube mit Renaissancemalerei, ein seltenes Zeugnis häuslichen Komforts des 16. Jahrhunderts. Zwei Löcher in der Wand neben dem Eingang weisen auf eine einstige Brauereinutzung, und man vermutet, dass das Haus auch als Waidspeicher diente — jener Waid, der Erfurts Reichtum begründete. Das Ganze, bescheiden in der Größe, aber reich im Detail, liest sich als Verdichtung des thüringischen Renaissance-Stadthauses.
Geschichte
Über die frühe Geschichte des Hauses ist wenig bekannt, außer dass es wohl als Waidspeicher diente, jener Färberpflanze, die Erfurt in der Renaissance bereicherte. Anfang der 1980er Jahre war der Bau so verfallen, dass sein Abriss erwogen wurde; die Stadt entschied sich schließlich für Restaurierung und Wiederaufbau, die dem Portal von 1536 und den Dekorationen ihre Lesbarkeit zurückgaben. Seit 1988 dient das Haus als Hochzeitshaus und Standesamt Erfurts: An der Stelle des einstigen Brunnens steht heute ein Stahlkunstwerk. Für den Atlas zeigt das Haus zum Sonneborn zugleich das thüringische Renaissancehaus und die Denkmalrettung, die am Ende des 20. Jahrhunderts bewahrte, was fast verschwunden wäre; das auf 1536 datierte Portal bleibt sein sicherster Ankerpunkt.

