In der Johannesstraße von Erfurt ist das Haus zum Stockfisch ein Renaissance-Patrizierhaus, 1607 vom reichen Waid- und Bierhändler Paul Ziegler erbaut. Seine schachbrettartige Fassade und sein zweigeschossiger Erker machen es zu einem der schönsten Bürgerhäuser der Stadt; heute beherbergt es das Stadtmuseum.
Was zu sehen ist
Die Fassade ist das große Motiv: Ein Schachbrett aus vor- und zurückspringenden Steinquadern belebt die Wand mit einem Spiel aus Licht und Schatten, einem für die Spätrenaissance kennzeichnenden Ziergedanken. Hinzu kommen ein zweigeschossiger Erker, von einem gegliederten Giebel bekrönt, und ein reich geschmücktes Portal. Über dem Eingang verweist das Hauszeichen — ein Fisch — auf den Stockfisch, den getrockneten Kabeljau, der im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine wertvolle Handelsware war: Das Zeichen nennt den Handel, der das Haus schuf. Das Ganze, auf 1607 datiert, steht am äußersten Ende unserer Periode und zeigt eine zur vollen ornamentalen Reife gelangte Renaissance im Erfurter Handelsbürgertum.
Geschichte
1606 erwarb der Waidhändler Paul Ziegler das Grundstück und ließ ab 1607 das Haus zum Stockfisch unter Wiederverwendung älterer Keller errichten. Erfurt zog seinen Wohlstand damals aus dem Waid, der Färberpflanze aus seinem reichen Umland, und Häuser wie dieses übersetzten das Vermögen seiner Kaufleute in Stein. Die Stadt kaufte den Bau 1905, um darin Ämter und Ausstellungen unterzubringen; von 1947 bis 1965 beherbergte er das Naturkundemuseum. Seit 1974 nimmt er das Erfurter Stadtmuseum auf, das darin über zwölf Jahrhunderte Stadtgeschichte entfaltet. Für den Atlas ist das Haus zum Stockfisch einer der vollendetsten Zeugen des thüringischen Renaissance-Kaufmannshauses, genau datiert (1607) und in seiner Funktion als städtisches Gedächtnis bewahrt.

