Das Herforder Münster gilt als älteste große Hallenkirche Deutschlands und die einzige noch romanische: als Bau liegt es vor der von diesem Atlas erfassten Epoche. Es wird hier als Schrein eines Schwellenwerks geführt — jenes Taufsteins von 1500, der genau am Übergang von der ausgehenden Gotik zur Renaissance steht.
Was zu sehen ist
Das bedeutendste Ausstattungsstück ist der Taufstein von 1500 mit Heiligenfigürchen und sehr lebendig gestalteten biblischen Szenen in den Reliefs. Schon die Datierung um 1500 stellt ihn in jenen Augenblick, in dem die deutsche Bildhauerei, noch gotisch in ihren Themen, an Natürlichkeit und Bewegung gewinnt — jene Belebung der Figuren, die die Renaissance des Nordens ankündigt. Er steht in der tiefer gelegenen Taufkapelle unter der sogenannten Schlafhausempore, einer alten Anordnung, die der Taufe einen eigenen Raum zuwies. In einem schlichten romanischen Schiff bündelt dieses durchgearbeitete Becken den Blick und belohnt die Betrachtung der Szenen aus der Nähe.
Geschichte
Das Münster ist Erbe des alten Herforder Damenstifts, eines der angesehensten Sachsens im Mittelalter, dessen Autorität den Wohlstand der Stadt begründete. Der Taufstein von 1500 wurde am äußersten Ende dieser Ära in Auftrag gegeben, kurz vor den Umwälzungen der Reformation, die das religiöse Leben der Stadt verwandeln sollten. Ihn hier zu führen heißt, ein Objekt im Umbruch der Epochen zu fassen: durch seine Heiligen und biblischen Erzählungen gehört es noch der mittelalterlichen Welt an, durch die Lebendigkeit seines Reliefs weist es auf die Kunst des 16. Jahrhunderts voraus. Das Münster macht es, in Ermangelung einer Architektur der Epoche, zu seinem wichtigsten Zeugen dieser Schwelle. Der Reiz des Taufsteins liegt auch in seiner Bildsprache: Indem der Bildhauer Heilige und biblische Szenen auf das Becken ordnete, schuf er eine steinerne Katechese, lesbar gerade im Augenblick der Taufe. Diese pädagogische Funktion des Bildes, dem ausgehenden Mittelalter gemein, findet hier einen besonders belebten Ausdruck, bei dem das Relief an Tiefe und die Figuren an Gegenwart gewinnen.

