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Renaissance in Deutschland

Das Alte Rathaus Celle

Celle

Das Alte Rathaus Celle

In Celle, Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, erweitert das Bürgertum sein Rathaus von 1560 bis 1610 im Geschmack der Weserrenaissance: Volutengiebel, heller Sandstein, vergoldete Inschriften. Zwischen Herzogschloss und Fachwerkgassen behauptet das Ratsgebäude den Anteil der Stadt an einer Hofstadt. Die Fassade blickt auf die Straße wie ein Zeichen bürgerlicher Würde.

Was man sehen sollte

Das Glanzstück ist der Nordgiebel, 1579 im Stil der Weserrenaissance errichtet. Seine Silhouette aus Voluten und Absätzen, seine übereinandergesetzten Erker, seine aufsteigende Linie machen ihn zu einem Schmuckstück im Maßstab eines Platzes. Auffällig sind die zweigeschossigen Erker, die vermutlich Kaiser und Gemahlin zeigen, und eine Illusionsmalerei des 17. Jahrhunderts, die die Architektur verdoppelt.

Am linken Eingangspfeiler ist das Bildnis des Werkmeisters Jacob Rieß gehauen — die unauffällige Signatur des Handwerkers an der Schwelle seines Werks. Am Fuß des Baues, auf der Südseite, erinnern die Prangersäule mit ihren Eisen (1786) und, im Inneren, die gotischen Gewölbe des Nordteils und des Weinkellers an die älteren Schichten des Gebäudes: Man betrachtet nicht nur eine Fassade, sondern einen über Jahrhunderte geschichteten Bau.

Geschichte

Der älteste Kern des Rathauses reicht ins späte 13. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Stadtgründung. Danach wächst der Bau in aufeinanderfolgenden Kampagnen. Die große Renaissance-Behauptung ist der Nordgiebel von 1579, errichtet, als Celle als Residenzstadt der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg glänzt, deren nahes Schloss das höfische Leben bündelt. Der durch diese fürstliche Präsenz und den Handel genährte Wohlstand erlaubt dem Rat, sich ein Wahrzeichen seiner Ambitionen zu geben.

Um 1580 werden drei benachbarte Bürgerhäuser abgebrochen und das Rathaus erweitert, zunächst in Fachwerk, ehe dieser Anbau 1785 massiv erneuert wird. Bis 1999 bleibt das Gebäude Sitz der Stadtverwaltung. Die Ausbaukampagnen vom 16. bis ins frühe 17. Jahrhundert und die späteren Überarbeitungen machen den Bau zu einem Palimpsest, in dem sich Gotik, Renaissance und die folgenden Jahrhunderte überlagern, ohne die Gründungsgeste von 1579 zu tilgen.

Symbole und Geheimnisse

Der Giebel von 1579 ist ein Akt bürgerlichen Stolzes. In einer Residenzstadt, in der der Fürst ganz nah ist, behauptet das Bürgertum in Stein, dass es existiert, verwaltet, Recht spricht. Die Kaiserfiguren der Erker stellen die Stadt unter das Zeichen des Reiches und seiner Freiheiten; die öffentliche Waage und die Eichmaße benennen die wirtschaftliche Funktion, der Pranger die richterliche. Das Bildnis des Jacob Rieß schließlich ist Zeichen einer Zeit, in der der Handwerker nicht mehr hinter seinem Werk verschwindet, sondern sein Gesicht darin einträgt. Die Illusionsmalerei, ein gelehrtes Spiel mit dem Schein, zeigt, dass die Renaissance das Auge ebenso gern täuschte wie belehrte.

Warum dieser Ort zählt

Weil das Alte Rathaus Celle die Weserrenaissance im Dienst einer Residenzstadt zeigt: nicht die Fassade einer freien Stadt, sondern die eines Bürgertums, das sich mit einem nahen Fürsten arrangiert. Sein Giebel von 1579 gehört zu den vollendetsten Niedersachsens, und der ganze Bau — mit seinen gotischen Gewölben, seiner Waage, seinem Pranger und dem Bildnis seines Werkmeisters — verdichtet in einem einzigen Denkmal die Funktionen und den Stolz einer Stadt der deutschen Renaissance.

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