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Renaissance-Skulptur

Marienaltar

Marienaltar

Henrik Douverman (Heinrich Douvermann) et atelier — Xanten, Vers 1536 (Bois de chêne sculpté, retable à caisse).

Kontext

Um 1536 schafft Heinrich Douvermann, gebürtig aus Dinslaken, für den Xantener Dom St. Viktor ein der Jungfrau gewidmetes Retabel. Es ist klar von den übrigen großen Ensembles des Chores zu unterscheiden: Es handelt sich weder um den Hochaltar — in dessen Mitte der Reliquienschrein des hl. Viktor (um 1150) über einem Renaissance-Triptychon steht — noch um den Märtyreraltar. Der Marienaltar ist ein eigenständiges Schnitzretabel, ein Spätwerk des Meisters, das die ausklingende Gotik mit einzelnen Renaissance-Akzenten verbindet. Xanten, Sitz eines mächtigen Stiftskapitels, bot der niederrheinischen Bildschnitzkunst einen ihrer vornehmsten Schauplätze.

Bedeutung

Das Retabel erzählt das Leben Mariens, von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt, wie es Schrift und fromme Legenden des Mittelalters entfalten. Wie in Kalkar trägt die Predella eine Wurzel Jesse, die als handwerkliches Meisterstück gilt: Sie bindet Maria an die königliche und messianische Abstammung und gibt dem Marienzyklus seine genealogische Grundlage.

Bemerkenswerte Elemente

Die Predella mit der Wurzel Jesse zieht die Bewunderung auf sich, ein unmittelbares Echo der Kalkarer Erfindung. Die Fächer des Schreins entfalten die marianischen Episoden in dicht gedrängten Reliefs, getragen von feiner Modellierung und dichter Inszenierung. Das Werk bezeugt das Fortleben niederrheinischer Handwerkskunst bis in die 1530er Jahre, als sich die Renaissance andernorts in Deutschland durchsetzt.

Symbolik

Die Wurzel Jesse betont auch hier die davidische Abkunft Christi durch Maria. Der Marienzyklus, von der Geburt bis zur Himmelfahrt, verherrlicht die Jungfrau als Sinnbild der Kirche und als Mittlerin, in einem dem Märtyrer Viktor und seiner thebäischen Legion geweihten Dom.

Geheimnisse

Die formale Nähe zur Kalkarer Predella nährt die Debatte über den jeweiligen Anteil des Meisters und seiner Werkstatt an diesem Alterswerk. Das Nebeneinander des romanischen Viktor-Schreins, des Hochaltars und der Schnitzretabel im selben Chor macht Xanten zu einem Lehrbeispiel für den Vergleich der Generationen und Techniken.

Analyse der Emotionen

Die marianische Erzählung lädt eher zur Sammlung als zum Pathos ein: intime Szenen von Geburt und Kindheit, verhaltener Ernst der Himmelfahrt. Die ornamentale Fülle der Predella setzt kontrapunktisch eine fast heitere Note der Virtuosität.

Führungstext

Nehmen Sie sich Zeit, dieses Retabel von den anderen Ensembles des Chores zu unterscheiden: Es ist nicht der Hochaltar mit dem Viktor-Schrein, sondern der der Jungfrau gewidmete Altar. Senken Sie den Blick zur Predella: Dort finden Sie eine Wurzel Jesse, verwandt mit jener in Kalkar. Verfolgen Sie dann in den Fächern das Leben Mariens, von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt.

Anekdote

Die Wurzel-Jesse-Predella von Xanten gilt, ebenso wie jene in Kalkar, als Beleg für Douvermanns außergewöhnliches Können und wird in der Literatur regelmäßig mit ihr verglichen.

Siehe auch