Leipziger Werkstatt (Umkreis Lucas Cranachs des Älteren) — 1518
Dom St. Peter und Paul, Brandenburg an der Havel. Malerei auf Lindenholz; Flügel eines Retabels mit geschnitztem Mittelschrein.
Kunstgeschichte
1518 vom Abt Valentin für das Zisterzienserkloster Lehnin gestiftet, stammt dieses Retabel aus einer Leipziger Werkstatt der Übergangszeit von der Spätgotik zur Renaissance. Der Mittelschrein zeigt eine Madonna im Strahlenkranz zwischen Petrus und Paulus, während die Flügel geschnitzte Figuren mit gemalten Flächen verbinden. Nach der Reformation gelangte das Werk über die Berliner Stiftskirche 1552 in den Brandenburger Dom, wo es seit 1727 als Hochaltar dient.
Symbolik
Die strahlende Madonna zwischen Petrus und Paulus bekräftigt die apostolische Doppelautorität. Der Strahlenkranz kennzeichnet Maria als apokalyptische Frau und Himmelskönigin. Auf den Flügeln ordnet die Heiligenhierarchie einen geistlichen Weg zum Seelenheil des Stifters.
Geheimnisse
Die Zuschreibung schwankt zwischen Leipziger Werkstatt und Cranach-Umkreis. Für einen Zisterzienserchor geschaffen, schmückt das Retabel heute den Hochaltar eines protestantischen Doms.
Emotionen
Goldene, hieratische Erhabenheit des Schreins; intimerer, erzählender Ton der bemalten Flügel.
Für den Museumsführer
Vor dem Hochaltar: die Madonna im Strahlenkranz, Petrus mit dem Schlüssel, Paulus mit dem Schwert, dann die bemalten Flügel. Ein katholischer Altar, heute Hauptstück eines protestantischen Doms.
Anekdote
2018 feierte das Retabel seinen 500. Geburtstag mit der Ausstellung „Maria und die dritte Dimension".

