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Renaissance-Malerei

Bildnis eines Mitglieds der Familie Wedigh

Bildnis eines Mitglieds der Familie Wedigh

Auf einer kleinen Eichentafel blickt uns ein neununddreißigjähriger Mann ernst und ruhig an. Hans Holbein der Jüngere malte ihn 1533 in London; das Bild hängt heute in der Berliner Gemäldegalerie. Ganz ohne Beiwerk, allein durch die Kraft des Gesichts, ist es eines der ergreifendsten Bildnisse seines ganzen Werks.

Was man sehen sollte

Der Mann zeigt sich frontal, den Oberkörper leicht gedreht, vor einem einfarbigen Grund, der den Blick nicht ablenkt. Er trägt einen dunkelbraunen Mantel mit Kragen und Aufschlägen aus schwarzem Samt, ein am Hals geöffnetes, besticktes weißes Hemd und die typische flache schwarze Schaube der Stalhof-Kaufleute. In der linken Hand hält er lohfarbene Lederhandschuhe; am Finger glänzt ein emaillierter Siegelring mit dem Wedigh-Wappen. Treten Sie näher an die Details: die einzeln gemalten Haare von Bart und Schnurrbart, die blauen Augen, von denen das rechte etwas größer ist, das über den Samt gleitende Licht. Alles ist mit äußerster Sparsamkeit gesagt.

Geschichte

Der Dargestellte gehört zur Familie Wedigh, einer Kölner Kaufmannsdynastie. Traditionell identifiziert man ihn als Hermann Hillebrandt de Wedigh, vermutlich Kaufmann am Londoner Stalhof, dem Freiviertel der deutschen Hansekaufleute. Holbein, damals in England ansässig, malte zu Beginn der 1530er Jahre mehrere dieser Kaufleute; diese Tafel entstand 1533. Das Werk mit der Inventarnummer 586B wird in der Berliner Gemäldegalerie bewahrt und zählt zu den schönsten kleinen Bildnissen des Künstlers.

Symbole und Geheimnisse

In diesem Bild ohne erzählendes Beiwerk ist das einzige Attribut der Ring. Seine Gravur – ein schwarzer Sparren mit drei grünen Weidenblättern – benennt die Familie und dient als gesellschaftliche Signatur, wie ein am Finger getragenes Siegel. Die lateinische Inschrift nennt das Alter. Die Verwandtschaft mit einem anderen Wedigh-Bildnis, datiert 1532 und im Metropolitan Museum New York, nährte lange Verwechslungen: Die beiden Männer teilen Züge, darunter eine höher sitzende Augenbraue, und dieselbe holbeinsche Art, den Blick zu setzen.

Warum dieses Werk zählt

Das Bildnis zeigt die andere Seite von Holbeins Genie: nicht das glänzende Inventar des Georg Gisze, sondern die völlige Reduktion. Indem er das Beiwerk entfernt, zwingt er den Betrachter, nur den Menschen zu sehen. Diese Konzentration kündigt seine großen englischen Hofbildnisse an und machte diese kleine Tafel zum Vorbild der Schlichtheit für Generationen von Porträtisten. Es bezeugt zudem die Rolle der rheinischen Kaufleute im großen europäischen Handel. Selten wurde uns ein namenloses Gesicht so vertraut – das ist die Kunst des Porträts und der Grund, warum dieses Bild ein Kleinod der Gemäldegalerie bleibt.

Siehe auch