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Renaissance-Malerei

Der Kosmograph Sebastian Münster

Der Kosmograph Sebastian Münster

Ein alter Mann mit eingefallenem Gesicht blickt den Betrachter mit ruhiger Autorität an. Es ist Sebastian Münster, einer der größten Gelehrten des 16. Jahrhunderts, gemalt von Christoph Amberger im Jahr 1552, nur wenige Monate vor seinem Tod. Das Bild in der Berliner Gemäldegalerie ist ebenso das Porträt eines Geistes wie eines Gesichts.

Was man sehen sollte

Münster erscheint als Brustbild, schlicht gekleidet, ohne die Zurschaustellung der Fürstenbildnisse. Alle Aufmerksamkeit gilt dem Kopf: den Falten, dem grauen Bart, dem durchdringenden Blick eines Gelehrten. Amberger modelliert die Inkarnatfarbe mit einer von den Venezianern übernommenen Weichheit und bewahrt zugleich die beschreibende Genauigkeit des Nordens. Suchen Sie auf der Rückseite der Tafel die Inschrift, die den Dargestellten nennt, sein Alter – fünfundsechzig Jahre – und das Datum 1552 angibt: Sie macht das Bild zum datierten Dokument.

Geschichte

Sebastian Münster (1489–1552) war Theologe, Hebraist, Mathematiker und vor allem Kosmograph. Seine 1544 erschienene „Cosmographia" war einer der großen Bucherfolge des Jahrhunderts: Sie bot dem deutschsprachigen Leser eine bebilderte Beschreibung der Länder und Völker der bekannten Welt. 1547 zum Rektor der Universität Basel gewählt, starb er 1552. In jenem Jahr hielt Amberger, Meister in Augsburg, seine Züge fest. Das lange Holbein zugeschriebene Bildnis gilt heute als Werk Ambergers und wird in der Berliner Gemäldegalerie bewahrt.

Symbole und Geheimnisse

Das Bildnis gehört zur humanistischen Gattung: Es ehrt den Gelehrten durch seine bloße Gegenwart, ohne prunkvolle Attribute. Die rückseitige Inschrift wirkt wie ein vorweggenommenes Epitaph und verbindet Namen, Alter und Jahr. Die Zuschreibungsgeschichte selbst ist lehrreich: Der Glanz des Namens Holbein überdeckte lange denjenigen Ambergers, bis die Untersuchung der Werke die wahre Urheberschaft wiederherstellte. So erinnert das Bild daran, dass alte Sammlungen immer wieder neu gelesen werden.

Warum dieses Werk zählt

Münster verkörpert den Renaissancemenschen, der die ganze Welt durch Wissen umfassen will: Geografie, Sprachen, Wissenschaften. Ambergers Bildnis gibt davon ein schlichtes und kraftvolles Bild, auf der Höhe dieses Anspruchs. Durch seine Qualität und seine dokumentarische Inschrift zählt es zu den schönsten Humanistenporträts in Deutschland. Einen Gelehrten an der Schwelle des Todes zu malen heißt zu behaupten, dass der Geist es verdient, für die Nachwelt festgehalten zu werden – das ist der Sinn dieses Bildes der Gemäldegalerie.

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