Hans Holbein der Jüngere — 1526, vollendet um 1528 Öl und Tempera auf Lindenholz, 146,5 × 102 cm Johanniterkirche, Sammlung Würth, Schwäbisch Hall
Kunstgeschichte
1526 von Jakob Meyer zum Hasen in Auftrag gegeben, dem ehemaligen Basler Bürgermeister und überzeugten Katholiken, greift das Werk den Typus der Schutzmantelmadonna auf: Maria breitet unter einer Muschelnische ihren Mantel über die Stifterfamilie. Links Meyer und sein Sohn, rechts die verstorbene erste Frau Magdalena Baer, die zweite Gattin Dorothea Kannengiesser und die Tochter Anna. Holbein verbindet nordisches Porträtrealismus mit italienischer Bildordnung. Im Zentrum des Holbeinstreits von 1871, wird es seit 2012 in Schwäbisch Hall gezeigt.
Symbolik
Der Mantel bezeichnet den marianischen Schutz. Das Nebeneinander der toten und der lebenden Gattin gibt dem Bild votive und sepulkrale Bedeutung. Die Identität der beiden Kinder – Christus und/oder Meyers kranker Sohn – bleibt umstritten.
Geheimnisse
Zwei Kinder, zwei Deutungen. Zwei Fassungen, Darmstadt und Dresden, lange verwechselt. Pentimenti bezeugen eine Überarbeitung zwischen 1526 und 1528.
Emotionen
Stille Andacht, ruhige Melancholie: Die Ergriffenheit entsteht aus Zurückhaltung und aus dem Nebeneinander von Toten und Lebenden.
Hinweis des Führers
Vollkommene Symmetrie, prachtvolle Stofflichkeit und ein Rätsel: Welches der beiden Kinder ist Christus?
Anekdote
Der Holbeinstreit von 1871, die Gegenüberstellung von Original und Kopie, gilt als Geburtsstunde der modernen Kennerschaft.

