Vor einem tiefblauen Grund hebt sich ein ernstes Gesicht mit der Schärfe einer Skulptur ab. Es ist Jakob Muffel, Bürgermeister von Nürnberg und Freund Albrecht Dürers, gemalt 1526, im Jahr seines Todes. Als Gegenstück zum Holzschuher-Bildnis beschließt dieses Werk der Berliner Gemäldegalerie die große Reihe der Nürnberger Bildnisse des Meisters.
Was man sehen sollte
Muffel ist als Brustbild dargestellt, leicht im Dreiviertelprofil, in dichten Pelzen und einer goldgestreiften Schaube über weißem Hemd. Vor dem einfarbigen blauen Grund zeichnet sich der Kopf mit bildhauerischer Festigkeit ab: Die Modellierung ist kraftvoll, die Züge wie gemeißelt, der Blick in die Ferne gerichtet. Dürer malt die Oberflächen – Haut, Pelz, Tuch – mit gewohnter Genauigkeit, doch es ist der fast monumentale Gesamtaufbau, der zuerst auffällt. Vergleichen Sie ihn mit dem benachbarten Holzschuher: gleiches Format, gleicher Grund, aber ein ganz anderes Temperament.
Geschichte
Jakob Muffel (1471–1526) gehörte zu einer der Nürnberger Patrizierfamilien. Ab 1502 Ratsherr der Stadt, wurde er 1514 ihr Bürgermeister: ein führender Mann in dieser reichen und gebildeten freien Reichsstadt. Dürer, im selben Jahr wie er geboren, malt ihn 1526, zugleich mit Hieronymus Holzschuher; die beiden Tafeln haben genau dieselben Maße. Muffel stirbt in jenem Jahr. Das später von Holz auf Leinwand übertragene Bildnis wird heute in der Berliner Gemäldegalerie bewahrt.
Symbole und Geheimnisse
Das Bild schöpft seine Kraft aus der Würde des Dargestellten und aus der durch Quellen belegten Freundschaft zwischen Maler und Modell. Dass Muffel im Jahr des Bildnisses starb, verleiht dem Werk eine Dimension der Ehrung, fast des Abschieds. Der vor dem Blau abgesetzte Aufbau des Kopfes ist ein plastischer Entschluss: Dürer beschreibt nicht nur, er monumentalisiert. Die später erfolgte Übertragung auf Leinwand erinnert an die Zerbrechlichkeit der Tafeln und die Sorgfalt, die ihre Bewahrung verlangt.
Warum dieses Werk zählt
Der Muffel und der Holzschuher sind Dürers letzte große Bildnisse und zählen zu den höchsten der Gattung in Europa. Sie zeigen einen Maler auf dem Gipfel, fähig, aus einem Honoratioren seiner Stadt eine universelle Gestalt zu machen. Das Werk dokumentiert zugleich das bürgerliche Leben Nürnbergs, eines Hauptzentrums der deutschen Renaissance, und bezeugt eine Freundschaft zwischen zwei Männern derselben Generation. Einen Freund im Jahr seines Todes mit dieser ruhigen Würde zu malen, macht dieses Bildnis zu einem stillen Abschied und zugleich zu einem Meisterwerk der Gemäldegalerie.

