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Renaissance-Malerei

Die Beweinung Christi

Die Beweinung Christi

Am Fuß des leeren Kreuzes beweinen die Jungfrau, Johannes und Maria Magdalena den fahlen Leib des vom Kreuz genommenen Christus. Hans Baldung Grien, der eigenwilligste Schüler Dürers, malt diese Beweinung 1516. In der Berliner Gemäldegalerie bewahrt, erfasst sie den Schmerz mit einer Intensität, die keine Beschwichtigung mildert.

Was man sehen sollte

Die Komposition verdichtet sich um den toten Leib Christi, im Vordergrund ausgestreckt. Kniend beweint die Mutter Maria ihren Sohn; Johannes stützt den Kopf des Toten, während Maria Magdalena mit gelöstem langem Haar eine Hand Christi an ihre Wange führt. Hinter Johannes steht Josef von Arimathäa, ein Salbgefäß in der Hand, im Hinblick auf die Grablegung. Über der Gruppe ragt das leere Kreuzesholz auf, noch vom Blut des Gemarterten gezeichnet. Beachten Sie die gespannten Gesichter, die Gesten der Verzweiflung, die Blässe des Körpers: Alles dient dem Pathos.

Geschichte

Hans Baldung, genannt „Grien", wurde um 1484/85 geboren und bildete sich als junger Mann in der Werkstatt Albrecht Dürers in Nürnberg aus, bevor er sich vor allem in Straßburg niederließ. Diese Beweinung, datiert 1516, gehört zu seiner vollen Reifezeit. Das Werk mit der Inventarnummer 603B wird in der Berliner Gemäldegalerie bewahrt. Es steht in der Tradition der Andachtsbilder zur Passion, die am Vorabend der Reformation in Deutschland weit verbreitet waren.

Symbole und Geheimnisse

Jedes Element trägt Bedeutung. Das aufragende, blutbefleckte leere Kreuz erinnert daran, dass das Opfer vollbracht ist. Das Salbgefäß Josefs von Arimathäa kündigt Einbalsamierung und Grablegung an. Die Geste Maria Magdalenas, die die Hand Christi an ihre Wange führt, übersetzt eine Andacht durch Berührung, in der der Schmerz leiblich wird. Baldungs Stil, schroffer und ausdrucksvoller als der Dürers, sucht weniger die heitere Schönheit als die Wahrheit der Trauer.

Warum dieses Werk zählt

Baldungs Beweinung veranschaulicht die emotionale Kraft der deutschen religiösen Malerei zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Sie bezeugt zudem die Nachwirkung von Dürers Werkstatt, deren erfindungsreichster Schüler Baldung war. Durch ihr Pathos und ihre Beherrschung der Komposition zählt das Werk zu den großen Passionsbildern in Berlin, an einem Wendepunkt der religiösen Geschichte Deutschlands. Den Schmerz zu zeigen, ohne ihn zu trösten, an der Schwelle der Reformation, macht diese Beweinung zu einem Werk von seltener Kraft und zu einem der Höhepunkte Baldungs in der Gemäldegalerie.

Siehe auch