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Renaissance in Deutschland

Die Waage in Görlitz

Görlitz

Die Waage in Görlitz

In der Mitte des Untermarkts, in der „Zeile" genannten Häuserreihe, wurde die alte Waage (das Stadtwaaghaus, Untermarkt 14) im Jahr 1600 von Jonas Roskopf erbaut, einem Nachfahren des großen Renaissance-Baumeisters Wendel Roskopf des Älteren. Der Bau diente dem Wiegen eingeführter, zollpflichtiger Waren: Er ist einer der wenigen Funktionsbauten des Platzes, die uns überkommen sind.

Was zu sehen ist

Die Waage erhebt sich auf gotischer Grundlage, deren Erdgeschoss wohl auf 1453 zurückgeht; der Renaissancebau wurde 1600 darübergesetzt. Das reizvollste Detail verbirgt sich in den Kapitellen der Erdgeschosssäulen: Jonas Roskopf fügte dort sein eigenes Bildnis mit einem Zirkel ein, neben dem des Maurermeisters Elias Ebermann mit einer Kelle und dem des Waagemeisters Andreas Wert. Diese Köpfegalerie ist eine regelrechte kollektive Signatur der Bauhütte, eine stolze Geste der Erbauer, die sich in ihrem Werk in Szene setzen. Das Ganze führt am äußersten Ende des 16. Jahrhunderts die vom Ahnen Wendel begründete Renaissancetradition fort: Man sieht, wie eine Architektendynastie über drei Generationen das Gesicht des Untermarkts prägte.

Geschichte

Der Bau hatte eine genaue fiskalische Funktion: Hier wurden die in die Stadt gelangenden, zollpflichtigen Waren gewogen. Diese Rolle der Zollerhebung (Octroi) behielt er bis 1823, ein Beleg für die lange Dauer der aus dem Mittelalter ererbten Handelsgewohnheiten. Görlitz, Knotenpunkt des Tuch- und Waidhandels an der Via Regia, zog aus dieser Kontrolle einen Teil seines Wohlstands. Indem Jonas Roskopf 1600 die Waage baute, schrieb er seinen Namen in die Kontinuität Wendel Roskopfs des Älteren ein, der die Stadt nach 1525 in der Renaissance wiederaufgebaut hatte. Für den Atlas gilt die Waage ebenso als wirtschaftsgeschichtliches Dokument — ein erhaltenes Stadtwaaghaus — wie als Zeuge der späten Lausitzer Renaissance und der Selbstdarstellung der bauenden Handwerker.

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