An der Südseite des Untermarkts öffnet sich das Haus Nummer 5 unter dem langen Laubengang, dem durchgehenden Arkadengang, der die Platzseite begleitet. Es ist ein spätgotisches Hallenhaus, um 1500 erbaut, dessen um 1510 ausgemalte Kapelle und überarbeitete Fassade es an die Schwelle der Lausitzer Renaissance stellen.
Was zu sehen ist
Das bemerkenswerteste Merkmal ist der Laubengang: Die Häuser der Südseite des Untermarkts besitzen einen durchgehenden Arkadengang (den „Langläubengang"), unter dem sich das Erdgeschoss der Fassaden verbirgt. Diese für Görlitz eigentümliche Anordnung barg den Handel und gab dem Platz seinen charakteristischen Rhythmus. Das Haus bewahrt zudem eine Kapelle, um 1510 datiert, mit Wandmalereien geschmückt — eine „Schatzkammer", die es zu einem Bau von baugeschichtlichem wie künstlerischem Wert macht. Das Ganze liest sich als Übergangsbau: Struktur und Laube gehören der Spätgotik an, während die Fassadenüberarbeitungen das Renaissancevokabular ankündigen, das nach dem Brand von 1525 die ganze Stadt erfassen sollte. Man muss es als Markpunkt sehen, nicht als Manifest.
Geschichte
Das Haus zählt zu den großen Kaufmannshäusern des Untermarkts, der vom Mittelalter bis in die Neuzeit das Herz des Görlitzer Handels war, bereichert durch Tuch und Waid. Seine Privatkapelle, um 1510 ausgemalt, zeugt von Frömmigkeit und Vermögen eines städtischen Patriziats, das sich an der Schwelle der Renaissance einen Andachtsort im eigenen Haus leistete. Görlitz hat ein Stadtgefüge von seltener Vollständigkeit bewahrt, in dem Spätgotik neben Renaissance, Barock und Jugendstil steht; der Untermarkt 5 ist eines seiner Glieder. Für den Atlas ist sein Wert kontextuell: Er erhellt den Untergrund, auf den sich wenige Jahre später die Renaissance Roskopfs pfropfen sollte, und zeigt die Kontinuität des Laubengangs als Kennzeichen der Stadt.

