Stoßen Sie die Tür des ältesten Renaissancehauses Deutschlands auf und treten Sie in einen den Bürgern noch unbekannten Luxus: von Öfen beheizte, mit den Schlafkammern verbundene Zimmer, eigene Aborte — ein Komfort, den man bislang nur auf der Burg fand. Schon 1526, nach dem großen Brand, der Görlitz verwüstete, ließ ein Kaufmann sein Haus nach italienischer Art wiedererrichten: bemalte Balken, geschmückte Wände, ein zur Rathaustreppe gewandter Erker. Italien kam nicht durch einen Fürstenpalast in die Stadt, sondern durch das Haus eines Geschäftsmannes.# Der Schönhof in GörlitzAn der Brüderstraße, wenige Schritte vom Markt, gilt der Schönhof als das älteste Renaissance-Bürgerhaus Deutschlands. Schon 1526 wiedererrichtet, im Jahr nach dem großen Brand, der Görlitz verwüstet hatte, trägt er die Handschrift Wendel Roskopfs des Älteren — und lässt Italien nicht durch einen Fürstenpalast, sondern durch das Haus eines Kaufmanns in die Stadt einziehen.
Was man sehen sollte
Die Fassade spielt mit einem schlichten, klaren Kontrast: grauer Putz, von dem sich die rot gefassten Fensterrahmungen abheben, von Pilastern gegliedert. Ein Erker wendet sich der Treppe des benachbarten Rathauses zu, wie ein Zwiegespräch der beiden Bauten. Darüber bekrönt ein kleines Türmchen die Ecke.
Treten Sie ein: Die Eingangshalle erhielt beim Umbau von 1617 Kreuzrippengewölbe und Herkulessäulen sowie ein neues Portal, beauftragt von Johann Glich von Miltitz. Im Obergeschoss versäumen Sie nicht die bemalten Balkendecken und die Wandmalereien nach italienischer Art — ein feines Wohndekor, für 1526 selten. Roskopf hatte Wohnungen von neuem Komfort entworfen: beheizte, mit den Schlafräumen verbundene Kammern, private sanitäre Anlagen, nach Art der Schlösser. Draußen bekrönt ein kleines Türmchen die Ecke, und einige skulptierte Einzelheiten beleben die Front: stille Spuren des Prunks eines großen Kaufmannshauses, des ersten in Görlitz, das sich italienisch kleidete, lange bevor die Fürsten der Region ihre Schlösser erneuerten.
Geschichte
1525 verwüstet ein Brand Görlitz. Die Katastrophe gibt Grundstücke frei und ruft nach Wiederaufbau: die Gelegenheit, den aus Italien kommenden Stil anzunehmen. Schon 1526 richtet Wendel Roskopf der Ältere den Schönhof in diesem neuen Geschmack wieder auf — das erste Renaissancehaus der Stadt und wohl des Landes. Das Haus gehört reichen Kaufleuten, in einer vom Tuch und vom Waid lebenden Stadt.
1617 modernisiert der Eigentümer Johann Glich von Miltitz den Eingang — Portal, Gewölbe, Säulen — in einer zweiten Renaissancewelle. Von Zerstörungen verschont, wurde der Schönhof restauriert und beherbergt seit 2006 das Schlesische Museum zu Görlitz, auf rund 2 000 Quadratmetern.
Schon der Name des Hauses — „der schöne Hof" — bezeugt das Ansehen, das es in der Stadt genoss. Roskopf, der eben gesehen hatte, was Italien den Bauhütten des Reiches eingab, wendet hier ein noch neues Vokabular an: Pilaster, die die Fenster rahmen, Wandmalereien „nach italienischer Art", geschmückte Holzdecken. Der Schönhof steht nicht allein: Er eröffnet in Görlitz eine Reihe von Renaissancehäusern — darunter die Rathaustreppe nebenan, die derselbe Roskopf bald signieren wird. In wenigen Jahren, nach dem Feuer von 1525, gibt sich eine Handelsstadt an der Ostgrenze des Reiches ein neues Gesicht, und dieses Gesicht ist das der Renaissance.
Symbole und Geheimnisse
Der Schönhof spricht eine oft vergessene Wahrheit aus: In Deutschland ist die Renaissance nicht zuerst Sache der Fürsten. Hier baut sich ein Kaufmann als Erster ein Haus nach italienischer Art — weil er die Mittel und den Geschmack dazu hat. Schon der Komfort des Hauses (Wärme, Intimität, Hygiene) zeugt von einer neuen Gesinnung, der eines städtischen Bürgertums, das gut leben will und nicht nur zeigen.
Der zum Rathaus gewandte Erker ist nicht beiläufig: Er stellt das Privathaus in das Gespräch der Stadt, dem Bau der Macht gegenüber.
Warum dieses Monument zählt
Weil es einen Anfang markiert: das älteste Renaissancehaus Deutschlands und Roskopfs erste Tat in Görlitz, noch vor der Rathaustreppe. Der Schönhof beweist, dass der neue Stil ebenso über die Handelsstädte des Ostens wie über die Höfe ins Reich kam — eine bürgerliche Renaissance, aus einem Brand geboren.

