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Renaissance in Deutschland

Stadtkirche St. Dionys (Esslingen am Neckar)

Esslingen am Neckar

Stadtkirche St. Dionys (Esslingen am Neckar)

Steigen Sie mit dem Türmer hinauf zur steinernen Brücke, die hoch oben die beiden Türme von St. Dionys verbindet — jene Silhouette zweier verbundener Glockentürme, die Esslingen von weitem ankündigt. Von dort oben sieht er die Tuchmacherstadt ausgebreitet, ihre Dächer, ihre Kaufmannsgassen; eine stolze, reiche Reichsstadt. Drunten erzählt die Kirche von einem Bruch: 1532 wird Esslingen reformiert, und man räumt die Altäre von ihren Bildern. Das heutige Ausstattungswerk — der große Flügelaltar von 1604, die Kanzel von 1609 — entstand nach dem Sturm, ein neues Gerät für einen neuen Gottesdienst. Und unter den Platten schlafen, übereinander, tausend Jahre Kirchen, die Grabungen dem Blick zurückgaben.# Die Stadtkirche St. Dionys in EsslingenIm Herzen von Esslingen, der alten Reichsstadt am Neckar, erhebt St. Dionys zwei Zwillingstürme, in der Höhe durch eine steinerne Brücke verbunden — eine einzigartige Silhouette. Im Inneren erzählt die Kirche eine andere Geschichte: die einer früh zur Reformation übergetretenen Stadt, die ihre Ausstattung neu erfinden musste. Der Hochaltar von 1604 ist eines der seltenen Stücke protestantischer Kunst Süddeutschlands.

Was man sehen sollte

Treten Sie ein und betrachten Sie den Hochaltar: ein großer Flügelaltar von 1604, 9,35 Meter hoch, von Peter Riedlinger und David Mieser gemalt. Eine Seltenheit: Es ist ein protestantischer Altar, dessen Tafeln sich nach dem Kirchenjahr wandeln. Eine Generation nach dem konfessionellen Bruch aufgestellt, zeigt er, wie der zunächst bilderstürmende Protestantismus wieder lernte, Bilder für seinen Gottesdienst zu schaffen.

Treten Sie näher an die Kanzel von 1609, mit achteckigem Korb und zierendem Beschlagwerk, Werk eines anonym gebliebenen Meisters, ebenfalls von Riedlinger gefasst. Dann suchen Sie im Chor das Chorgestühl von 1518: fünfzig Sitze aus dunkler Eiche, von den örtlichen Schreinern Anton Buol und Hans Wech gehauen, bevölkert von Köpfen und Tierfiguren — ein letztes Meisterwerk von vor der Reformation.

Beachten Sie nahe dem Eingang auch den steinernen Taufstein aus den Jahren 1460-1470, Hans Beblinger zugeschrieben — ein spätgotisches Stück, das dem konfessionellen Bruch knapp vorausging.

Steigen Sie schließlich hinab: Unter dem Boden zeigt ein archäologisches Museum die übereinanderliegenden Kirchen, die die Grabungen von 1960-1963 freilegten, von den ersten frühmittelalterlichen Heiligtümern bis zum heutigen Bau. Man geht über tausend Jahre geschichteter Heiligtümer — ein Schnitt durch die Zeit, in Deutschland selten.

Geschichte

Esslingen ist im Mittelalter eine bedeutende Reichsstadt, reich durch Wein und Handel. Seine Pfarrkirche St. Dionys steht auf einem seit dem frühen Mittelalter besiedelten Ort — die Grabungen haben es bewiesen und mehrere Vorgängerbauten enthüllt. Die beiden Osttürme, durch einen Übergang in der Höhe verbunden, geben ihr die unverwechselbare Gestalt.

1532 nimmt Esslingen die Reformation zwinglischer Prägung an, begleitet von einem Bildersturm: Die katholischen Bilder werden entfernt. Die Kirche muss sich nun allmählich eine neue, dem protestantischen Gottesdienst gemäße Ausstattung geben. Das ist der Sinn des Hochaltars von 1604 und der Kanzel von 1609: keine mittelalterlichen Überbleibsel, sondern eine bedachte Neugestaltung, Werk örtlicher Maler und Bildhauer, die die Formen einer reformierten Kirchenkunst erfinden. Das Chorgestühl von 1518 ist eines der wenigen Möbel vor dem Bruch, das die Zeit überdauerte.

Symbole und Geheimnisse

Ehrlichkeit der Region: Die große Renaissancesubstanz von St. Dionys liegt nicht in den gotischen Mauern, sondern im Mobiliar um 1600 — und dieses Mobiliar ist protestantisch. Der Flügelaltar, der sich nach den Jahreszeiten wandelt, ist ein theologischer wie künstlerischer Gegenstand: Er zeigt, dass die Reformation, nachdem sie die Bilder zerschlagen hatte, sie schließlich neu schuf, doch auf ihre Weise, im Dienst des Wortes und des liturgischen Kalenders. Die Brücke zwischen den beiden Türmen aber wurde zum Sinnbild der Stadt selbst.

Warum dieser Ort zählt

Weil er ein seltenes Ensemble protestantischer Kirchenkunst des frühen 17. Jahrhunderts bietet, wo so viele andere Ausstattungen verschwunden sind. St. Dionys zeigt eine Gemeinde, die nach dem Bildersturm wieder lernt, ihr Heiligtum zu schmücken — ein wesentliches und wenig bekanntes Kapitel der religiösen Renaissance im reformierten Land.

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